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Jüdische Turnzeitung · 1908-04-01 · 4 (4.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
4 (4.1908)
Date
1908-04-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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No. 4 65 bei. Nicht zunächst deswegen, weil die Vorbereitung in ihren Händen liegt, weil ihr lokal vereinlicher Ehrgeiz aufs höchste, angespornt ist, wenn sie sich natürlich auch freuen, eine so ausgewählte und hoffentlich auch so' stattliche Zahl von Turngeuossen bei sich begrüssen zu können. Aber es .scheint uns, dass dieser Veranstaltung ein hoher Wert zukommt, und dass sie in ihrer Bedeutung nicht hinter der eines Turntages zurücksteht. Die Turntage der Jüdischen Turnerschait mussten bisher — und werden auch wohl vor-1 läufig noch — Veranstaltungen der Theorie sein. Hier wurden die organisatorischen, die moralischen Fragen erörtert, und auch das Turnen mehr nach seiner organisatorischen Seite und zunächst -oder ausschliesslich theoretisch behandelt. Wir haben gewiss schon fecht viel Anregungen von diesen Turntagen mitgenommen und ihre Erfolge waren unbestreitbar. Aber das eigentlich Turnerische kam dabei zu kurz, und das, was man, abgesehen von Theorie, Neues davon mit nach Hause nehmen konnte, war Zufallsprodukt, basierte auf den Ergebnissen eines Schauturnens, das seinem Zwecke entsprechend eben auf die Schau zugeschnitten war. Die Vorturnerstunde aber soll den Vereinen des Verbandes turnpraktische Anregungen geben, soll auf dem Demonstrationswege zeigen, was turnerisch gut und belehren Uber das, was zu verbessern ist. Den turnelischen'Leitern der Vereine soll hier gezeigt werden, wie das praktische Turnen eingerichtet sein muss, sie sollen hier Anregungen für das praktische Turnen finden und das, was sie als gut und neu erfunden haben, durch die Tat ihren Vorturnerkollegen mitteilen. Wenn diese Vorturnerstunde gut vorbereitet sein wird — und wer möchte daran zweifeln? — und wenn sie vor allen Dingen eine genügende Anzahl von Vereinen vertreten zeigen wird, dann kann aus dieser Veranstaltung ein allgemeiner Portschritt der Verbandsvereine entstehen und ein neues Band der Zusammengehörigkeit sich bilden. Schon weil sie die erste dieser Art ist, muss diese Vorturnerstunde fruchtbringend wirken. Der Turnleiter des kleinen Vereins, der ganz allein in seinem Verein dasteht und jeder turnerischen Anregung von aussen ermangelt, kann hier einmal in praxi sehen, wie es seine Kollegen von den grösseren Vereinen treiben, wie sie ihrer Aufgabe gerecht werden, und er wird gewiss mit einer Fülle von neuen Anregungen und mit einer guten Portion neuen Mutes nach Hause zurückfahren. Und der Vorturner des grossen Vereins wird vielleicht mit Erstaunen — und mit gewichtigem Nutzen — die oder Jene besondere Leistung, die oder Jene besondere Art der Turnleitung erkennen, die sich sein „kleiner" Kollege ausgedacht hat und die auch für ihn wertvoll sein kann. Vor allem aber werden alle Vorturner im gemeinsamen Tun ausprobieren, was praktisch und gut ist, und daraus wird dann das Gemeinsame des Turnbetriebes, der Art des Turnens erwachsen, dessen Fehlen sich beim Wiener Turnen als störend erwiesen hat und dessen Vorhandensein nötig ist, um uns zu gestatten, den Namen „Verband" zu führen. Ist doch, um nur eines hervorzuheben, die Turnsprache der einzelnen Vereine eine ganz verschiedene, gibt es doch vorläufig für unsere Verbandsvereine keine allgemein gültigen Regeln Uber die Art der Ausbildung, der Riegeneinteilung, der Leistungsbewertung usw. Und die ganz speziellen Fragen des Turnens der Juden, die Fragen, ob sich bei der Zusammensetzung unserer Vereine oder vielleicht durch die körperliche und auch seelische und moralische besondere Qualifikation unserer Mitglieder eine von der allgemein üblichen Art abweichende Form des Turnbetriebes, der Ausbildung, der Vereinsleitung ergibt, alle diese Fragen werden hier von den Praktikern der Vereine und an der Hand von Beispielen erörtert und der Lösung näher gebracht werden können. Fürwahr, uns scheint nicht, dass die erste Vorturnerstunde Uber Mangel an Stoff zu klagen haben wird. Daraus aber ergibt sich auch ihre Bedeutung. Und daraus ergibt sich

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