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Jüdische Turnzeitung · 1908-04-01 · 4 (4.1908) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
4 (4.1908)
Date
1908-04-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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62 No. 4 und ihn in Bewegung setzte? Und manche Automaten wurden unbrauchbar und wanderten in die Rumpelkammer. Wir hatten uns daran gewöhnt, uns unserer Vergangenheit zu freuen oder Ober sie zu weinen. Aber man darf sich nicht der Vergangenheit freuen oder ewig über sie klagen, die Vergangenheit muss fortgesetzt werden! Wir richteten starr unsern Blick auf die Vergangenheit und überliessen die Zukunft einer Macht ausser uns. Wir vergassen, dass diese Macht niemals Wunder für uns hatte vollziehen wollen und uns keine der Gefahren ersparte, die auf dem Wege zu unserm Ziele lagen. Wir trennten die Göttlichkeit von uns und achteten uns selbst nicht mehr. Da verloren wir unseres Körpers Halt und uns verliess der Stolz der kräftigen Faust und des sehnigen Armes, dass sie verlernten sich drohend zu erheben, um uns vor der Schmach der Prügel zu bewahren. Was war doch die erste grosse Einsicht und die entscheidende Tat, die uns schliesslich die Freiheit in jenen alten Tagen brachte? Dass Moses nicht mehr ertragen konnte, dass Hand an einen der Unsern gelegt wurde, da er sich vergebens hier- und dorthin wandte und nicht fassen konnte, dass kein Mann da war, jene Schmach zu rächen! Hier ward die Befreiung begonnen; naiv und absichtslos; so erschlug er den Aegypter und wunderte sich selbst noch über das geheimnisvolle Feuer, welches ihn ergriff — wie konnte es ewig brennen, ohne zu verzehren? — und ihm befahl sein grosses Werk zu vollziehen. Wer Brutalität erfährt und nicht auf der Stelle sich Genugtuung verschafft ist verachtungswürdig, wer sie rücksichtslos zu zerschmettern vermag, der beweist Lebensfähigkeit und Daseinsberechtigung. Wir gingen nicht sanftmütig mit den Aegyptern um, als wir den Staub ihres Landes von unsern Füssen schüttelten. Es gab ein wutentbranntes Schlachten in der Nacht des Abschieds, dem die Besten der Aegypter zum Opfer fallen mussten, wir nahmen ihr Bestes an Gold und Silber mit uns, und ein frohes Siegeslied stimmten wir an, als die Wogen des Meeres der Aegypter Ross und Reiter verschlangen. So nur tilgten wir das Kainszeichen der erlittenen Schmach aus unserer Seele, so wurden wir aus prügelgewohnten Sklaven zu freien Menschen. Und in dem Lande selbst, welches das unsrige werden sollte,

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