Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 3 (3.1908)
- Date
- 1908-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3 57 Ziel ihres Unterrichtes. Sie fragen nicht so sehr danach, ob ein Ausfall turnerisch schön und richtig, weit und energisch in der Haltung ausgeführt wird, viel wichtiger erscheint es ihnen, wenn nur alle Schüler mit einem gemeinsamen Knall die Bewegung vollziehen, wenn keiner um eine Viertelsekunde zuspät kommt. Verstehe mich nicht falsch, auch ich heisse es nicht gut, wenn der Ausfall schlapp, unpünktlich und lahm ausgeführt wird, aber immer sehe ich die gute exakte Körperhaltung für zehnmal wichtiger an, als den mit Wucht geführten, staubaufwirbelnden Stampftritt, der mir nahezu entbehrlich erscheint. Ahnlich ist es in anderen Dingen. Das Geräuschvolle, Lärmende, Knallende gilt als Straffheit und findet deshalb übermässig Pflege, die Begleitumstände überwuchern das Wesentliche, wenn sie nur tüchtig in die Augen oder taktmässig ins Qehör fallen. Hei, wie fliegen nach dem Takte mit straffem Ruck und Zuck die Arme, spreizen die Beine, knickt vorwärts der Rumpf! Der Turnlehrer ist hoch befriedigt, die Klasse arbeitet scharf zusammen, und das ist sein Werk, er kann sich überall sehen lassen. Freilich kostet es viel Zeit, Anstrengung, Ärger und Schweiss, bis man seine Schüler „soweit" hat, dann aber erblühn wohl auch die Rosen in der Qestalt der Anerkennung und in dem Rufe eines „tüchtigen" Turnlehrers, den man durch ein gelegentlich veranstaltetes brillantes Schauturnen auch in weitere Kreise tragen kann." — Zur Förderung der Leibesübungen. Im preussischen Abgeordnetenhause fand eine aus Abgesandten der Deutschen Turnerschaft, des Zentralausschusses für Volks- und Jugendspiele und des Deutschen Turnlehrervereins zusammengesetzte Konferenz in Sachen der Fürsorge für die schulentlassene Jugend statt. Abgeordneter v, Schenckendorff führte aus, wie das ehemalige Familienverhältnis der jungen Leute allmählich in das reine Dienst- und Vertragsverhältnis Ubergegangen sei und die Arbeiterschutzgesetzgebung den neuen sozialen Faktor der Erholung und Müsse und damit mehr freie Zeit geschaffen habe, und dass für die noch mitten in der stärksten Entwickelung stehende Jugend schon aus Rücksicht auf die Gesunderhaltung des deutschen Volksstammes und die Bewahrung der nationalen Wehrkraft die geordnete Pflege der Leibesübungen mit dem Verlassen der Volksschule nicht abgeschlossen sein dürfe. Professor Rühl-Stettin, der Geschäftsführer der Deutschen Turnerschaft, stellte als anzustrebendes Ziel den Ausbau der allgemeinen Pflichtfortbildungsschule auf, die die Leibesübung als Pflichtgegenstand aufzunehmen habe. Die Konferenz beschloss die Veröffentlichung eines Aufrufs und die Absendung von Eingaben an das Reich und die Einzelstaaten. Schliesslich wurde ein Arbeitsausschuss gewählt. Auffallend war, dass nur die Turner, dagegen nicht die rein sportlichen Verbände zu der Konferenz Vertreter entsandt hatten. Die Juden im russischen Militärdienst. Der Jüdische Duma-Abgeordnete L. N. Nisselowitsch veröffentlicht in der vom „Kadetten"-Führer Miljukow herausgegebenen Zeitung „Rietsch" einen Artikel, in dem er einige interessante Zahlen und Tatsachen Uber die Beteiligung der Juden am russischeil Militärdienst mitteilt. Nach der letzten Volkszählung im Jahre 1897 gab es Im russischen Reiche 4,13 pCt. Juden. Wenn wir nun dieses Verhältnis bei den Rekrutenerhebungen von den Jahren 1902 und 1903 berücksichtigen, so ergibt sich folgendes Bild: Es wurden Rekruten anigeboben Nach der Norm 4,13 pCt. iollten darunter Juden ■•in Tatalchllch j gab ca Juden ' darunter | Al«o stellten die Juden ober ihren Pflichtteil 1902 . 1903 . 318,745 320,832 13,164; 13,250 19,705 19,911 6,541 6,661