Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 3 (3.1908)
- Date
- 1908-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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50 No. 3 Bestand des Vereins erlasse ich mir bis zur.Begehung unseres 10jährigen Gründungsfestes. Bedauerlicherweise hielt die Entwicklung der Damen-Abteilung nicht gleichen Schritt mit jener der Männer-Abteilung. Hier turnten: im November 1906 an 7 Abenden 298 Turnerinnen in 28 Riege tj Dezember 1906 .. 6 257 14 23 »I " Januar 1907 ,. 9 413 tt 36 »» Februar 1907 „ 7 285 »t -'4 »* März 1907 „ 8 „ 315 M 24 »> April 1907 „ 8 356 29 „ n Mai 1907 „ 9 294 l» 30 Juni 1907 „ 8 157 13 »* y, Juü 1907 „ 4 46 5 >» August geschlossen — ~~' »• - t» yaSeptemb. 1907 „ 4 60 .. 7 »» Oktober 1907 „ 9 „ 305 »» 25 „ Zusammen an 79 Abenden 2786 Turnerinnen in 244 Riegen In dieser Abteilung entfallen auf den Turnabeud durchschnittlich etwas mehr als 35 Turnerinnen, die in durchschnittlich 3 Riegen, welche eine Starke von 11—12 Teilnehmerinnen hatten, turnten. Die stärksten Besuchszahlen zeigt der Januar, die mindesten der Juli. In der Damen-Abteilung ergibt sich im Vergleich mit dem Turnjahre 1905—06 ein Abgang von 55 Turnerinnen für das ganze Turnjahr, d. i. von 2 Turnerinnen für jeden Turnabend. Die Ursachen für das Aufsteigen der Männer-Abteilung, dann für das Abwärtsgehen der Zahlen in der Damen-Abteilung sind schwer zu ergründen. Erfahrungssache ist es, dass jeder Verein Jahre hat, in denen er mächtig aufwärts strebt, andere wieder, wo er, ohne dass Qründe dafür angegeben werden könnten, stillsteht oder gar rückwärts schreitet. In unserem Vereine macht sich eine Bewegung zweifacher Art geltend. Ein Fortschreiten des Vereins in qualitativer Richtung bei herabgeminderter Besucheranzahl, dann aber wieder ein Anwachsen der Mitgliederzahl mit Abnahme des Zuwachses an ausbildungsfähigen Elementen. Wir hatten Jahre, in denen von den an Anzahl schwächeren Turnern voll Lust und Begeisterung mit einer Ausdauer geturnt wurde, die der edlen Turnsache würdig war und die tatsächlich die schönsten Früchte zeitigte. Gegenwärtig haben wir viel Leute, aber wenig Turner, und wenige solche, die Turner werden wollen. Oder sind d i e Turner, die vor Beginn des Turnens zusammengekauert auf den Pferden oder sonstigen Sitzgelegenheiten herumlungern oder beim Beginne des Kürturnens sich um die besten Plätze im Ankleideraum raufen? Oder sind das Turner, die erst ihren Magen befriedigen müssen, ehe sie zu bewegen sind, ihren Platz in der Riege einzunehmen usw. usw.? Ich hübe unzähligemale meine Stimme erhoben und über die Wichtigkeit und Notwendigkeit des Turnens, aber auch Uber die hierzu erforderliche Ordnung gesprochen, so dass jeder jüdische Turner damit vertraut sein könnte. Ich bin also berechtigt, zu erwarten, dass jedes Mitglied unseres Vereins in voller Kenntnis des hohen sittlichen und auch praktischen Wertes, welcher dem Turnen innewohnt, mit voller Willenskraft dahin strebt, auf diesem Gebiete, dem er sich als reifer Mann und aus eigenem Antriebe zugewendet hat. diis möglichste zu erreichen.