Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 2 (2.1908)
- Date
- 1908-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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34 No. 2 notwendigsten Kupffern abgebildet. 1661." Neu herausgegeben 1907 von Paul Hentzschel. Verlag Paul Eberhardt, Leipzig. Schon 200 Jahre vor Quthsmuths wurde in den Söldnerheeren und hohen Schulen das Pferd- und Tischspringen (Voltigieren) geübt. Dass man es auch in Wort und Bild gut darzustellen verstand, zeigt das von J. C. Lion in der Stadtbibliothek zu Leipzig entdeckte Buch, dessen Neudruck — in Ausführung und technischer Form einer Kopie des Originals — wohl geeignet ist, eine ehemals vorzügliche Anleitung neu aufleben zu lassen. Das Voltigieren galt als adlige Fertigkeit, die neben dem Fechten zur Ausbildung des jungen Ritters gehörte; eine Brauchkunst war es bereits im Altertum, an hölzernen Pferden übten die römischen Rekruten das Auf- und Absitzen, den Gebrauch von Schwert und Lanze. 400 v. Chr. schreibt Xenophon: „Im Falle, dass der Reiter mit der Linken das Pferd führt und in der Rechten den Spiess hat, halte ich es für gut, dass er sich übe, auch auf der rechten Seite aufzusteigen." Johann Qeorg Paschen war Pagenhofmeister an einem der kleinen sächsischen Höfe und gab um die Mitte des 17. Jahrhunderts mehrere Lehrbücher über das Fechten, Fahnenschwenken, Ringen und andere ritterliche Künste heraus. Sein Voltigierbuch handelt „von allen Sprüngen, als in Sattel zu springen, wieder herauss, Reversen, Troiten, halben Pomaden, gantzen Pomaden, Verwechseln etc., wie solches heutiges tages in gebrauch". Oenannt sind 106 Übungen am Pferd, von denen im Laufe der Jahrhunderte auch nicht eine abhanden gekommen ist. Lion hat die Bezeichnungen ergründet und erläutert. Besondere Namen gab es für Wende mit Kehraufsitzen (Pomade), Schraubenaufsitzen und Absitzen (Nadel), Rad mit Kehraufsitzen (Schilet), Kreisen von aussen nach innen (Revers) und von innen nach aussen (Troit); interessante Bezeichnungen für einzelne Geschwünge sind auch Uhrwerk, Affensprung, Schwanzsprung, Jungfernsprung, von denen mehrere noch heute gebräuchlich sind. Es werden drei Arten von Übungen unterschieden: Heben, Springen und Schwingen. Paschen muss auch in der Methodik tüchtiges geleistet haben. „Nimm in acht, dass alles mit steiffen Füssen gemacht werde, und wenn du am Pferde dich hebest, fein sachte auff die Zehen und wieder in die Höhe springest, damit kein Fuss verrenket werde, zudem müssen deine Arme und der Leib steift seyn, und je weniger du das Pferd berührest, je zierlicher du springest". Ebenso charakteristisch wie die Turnsprache jener Zeit, sind auch die Zeichnungen. — Die Sprünge am Tisch lehnen sich eng an die Pferdübungen an und scheinen damals, bei dem Mangel an Geräten begreiflich, sehr beliebt gewesen zu sein. — Das Buch ist ein wertvolles Dokument aus der Kindheit des deutschen Turnens, für den Turnphilologen eine Quelle der Forschung; Herausgabe und Verlag sind ein verdienstliches Werk. —n. Acht Reigen Mir Turner. Arbeiterturnverlag Leipzig. Der Verlag, der in kurzer Folge dem Turnbüchermarkt wertvolle Bereicherungen gebracht bat, erfreut mit einer Komposition neuer Reigen aus der Feder tüchtiger Praktiker. Einzelne Oedanken, wie in dem Fackelreigen für 16 Turner und Turnerinnen, sind überraschend schön ausgedrückt. Die Stab- und Keulenreigen sollte, man sich für Festaufführungen merken. Aul der Wanderschaft. Marmorgruppen mit Musikbegleitung, von Hans Schwalbe, Dresden. Arbeiterturnverlag. Zehn, wohl mehr für Gewerkschaften und Handwerkervereine bestimmte Gruppen, mit wenigen Personen ohne besonderen Aufwand für Ausstattung, leicht zu stellen. Sie wirken gerade durch ihre schlichte Art und die einfache Darstellung von Vorgängen aus dem Volksleben.