Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 1 (1.1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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12 :Kon.stantlnopel. Wie in früheren Jahren und vielleicht mehr noch als früher hat der Israelitische Turnverein mit seinem Winterfest einen ausserordentlichen, moralischen wie pekuniären Erfolg errungen, Die Tageszeitungen bringen spaltenlange Berichte und kargen nicht mit dem Lobe. Nach dem türkischen Nationalmarsch Hess der Turnwart, Herr Zif er, seine Jugendabteilung zu Stabübungen antreten, .die vorzüglich gelangen und grossen Fortschritt erkennen Hessen; nur das Lampenfieber beeinträchtigte um. ein Kleines die Exaktheit der Ausführung, An Reck- und Bar r e.n ü b u nge n (z. T. an beiden Geräten kombiniert) leistete die .1 u n g m an n s c h a f t wie immer Tüchtiges; hier lag die Leitung in Händen des Herrn.Cornf eld. Ein Theaterstück und gesangliche wie rezitatorische Vorträge sorgten für Abwechslung, bis in den M a r m o r gr u p p e n der Höhepunkt des. Festes erreicht war. Ein angeregter Tanz schloss die schöne, Veranstaltung. . In Innsbruck hat sich ein Jüdischer Turnverein aufgetan. Es ist begründete Hoffnung vorhanden, dass er demnächst der jüdischen Turnerschaft als Mitgliedsverein beitreten wird. Auch in Triest wird aller Voraussicht nach binnen kurzem unsere Tnrnsache siegreich einziehen. . In Agfam (Kroatieni, wo ebenfalls wie in den früher genannten Orten von unseren rührigen Qrazer Turnbriidern, insbesondere durch Turnwart Karl Schwarz, für unseren Oedanken vorgearbeitet wurde, erwies sich wegen der exklusiv kroatischen Oesinnung der dortigen Juden der Boden für unsere Sache als unfruchtbar. Dagegen dürfte nach der Ansicht unseres Gewährsmannes Esse« günstige Chancen bieten. Es ist überaus freudig zu begrüssen, dass in Österreich den Anstrengungen unserer Verbandsleitung nunmehr von unten herauf so tapfer sekundiert und vorgearbeitet wird. Vermischtes. Bar Kocbba als Opernneid. Aus London wird berichtet: Die Feinm an sehe Opern- und Theatergesellschaft führt am Pavillon Theatre in Mile End eine „jiddische'' Oper oder vielmehr ein Melodrama mit Musik auf, das begeisterte Aufnahme findet. Der Text behandelt die Oeschichte des jüdischen Nationalhelden Simon Bar Kochba, der die Juden bei Ihrem heldenhaften, aber unglücklichen Aufstand gegen die römischen Unterdrücker siebzig Jahre nach der Zerstörung von Jerusalem, anführte. Der Bösewicht des Stuckes ist ein samaritischer Diamantenhändler Papus, der dasselbe Mädchen wie Bar Kochba liebt und die Juden an den römischen Feldherrn verrät. Der Held wird gefangen genommen, zerreisst aber seine Ketten, bricht sich Bahn durch die Wachen und vereinigt sich am Ende mit der Geliebten. Die Personen sprechen im Jüdischen Jargon, und nur bei den Höhepunkten der Handlung greift die Musik ein, die von dem jüdischen Komponisten 0 o 1 d f a d e n komponiert ist. Bei der Erstaufführung war das Haus überfüllt und das Publikum, das hauptsächlich aus Juden bestand, gab seine Begeisterung zu erkennen, indem es dem Helden zujubelte und den Verräter verfluchte. Die Erregung stieg sogar soweit, dass beim Beginn der Akte vor Unruhe nicht gespielt werden konnte und einige besonders enthusiasmierte Zuschauer aus dem Theater entfernt werden mussten. Langlebigkeit bei den Juden in Preussen. Nach der Preuss. Statist Korrespondenz 1907, S. 65 wurden in Preussen im Jahre 1905 9 Männer und 4.1 Frauen gezählt, die über 100 Jahre alt waren. Unter den langlebigen