Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 1 (1.1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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8 No.! das ist mit Sache derer, die als erste im Judentum den Ruf: „Zurück zur Natur" erklingen Hessen, unsere Sache, Sache der jüdischen Turner. Dass gerade jetzt fern im Osten ein Dichter in unserer hebräischen Sprache, die schon so oft totgesagt wurde, den Ausdruck dessen gefunden hat, was wir hier im Westen als heilvolles Ideal betrachten, das erfüllt uns von neuem mit der frohen Zuversicht, dass unser Streben nicht als Zufälligkeit einsetzt, sondern aus der Geschichte und dem gegenwärtigen Zustand unseres Gesamtvolkes geboren wurde und kommen musste. Bialik als Naturdichter mag vorerst im weiten Kreise seiner Heimat hinter Bialik, dem Nationaldichter, zurücktreten müssen, wir Turner wollen uns freudig gerade hier als seine Jünger bekennen und eine Zeit bereiten helfen, da sein Natursehnen ganz das unseres Volkes werden wird» Dann wird aus dem Sehnen ein machtvoller Wille und aus dem Willen der (ifreie" Jude erstehen. F. A. Die tschechische „Sokol"-Bewegung. Unser Zeitalter trögt wie kein zweites den Stempel der bewussten nationalen Differenzierung. Unsere Bewegung, einem hohen Kulturziel entgegenstrebend, ist nur eine von den zahlreichen Äusserungen des lebendig sich regenden Volksgefühls bei uns und den anderen Völkern. Je nach dem Grade, in dem eine Nation intensiv „sich fühlt", kann man vielleicht ihre Lebenskraft und ihren Lebenswert einschätzen. Wir Juden würden dabei nicht am besten abschneiden. Mit ungleich breiterer und geschlossenerer Phalanx als wir ringen um ihre kulturelle und politische Selbständigkeit Nationen und Natiönchen, deren Dasein im Völkerleben weit weniger tiefe Spuren lässt, als das unsere. Alle verlangen sie vom Schicksal das Recht auf ihr Eigenleben, ein Jedes will, wie der einzelne, seine Persönlichkeit unangetastet wahren und frei entwickeln. Qanz durchgehend führt bei allen die erste Etappe auf dem Wege zur nationalen Freiheit über die körperr liehe Erstarkung und Disziplinierung. Auf alle Zeichen dieser Art haben wir von Zeit zu Zeit unser Auge zu richten, damit uns stets der rechte Massstab für unsere eigene Stellung werde. — Im Juli 19i)7 haben die tschechischen „Sokol"-Vereine in Prag ihr grosses Turnfest abgehalten. Im Folgenden bringen wir einen Auszug aus dem Bericht des Delegierten, den die „National Physical Recreation Society" nach Prag entsandt hat. Der Berichterstatter gibt einleitend einen Überblick über das Werden der tschechisch-völkischen und im besonderen der „Sokol"-Be wegung: „Die böhmische Sprache ist noch bei weitem schwieriger zu erlernen, als die russische, sodass sie nur in ganz vereinzelten Fallen von Auslandern beherrscht wird. Dennoch verdient sie Beachtung, da Prag, die hünderltürmlge, goldene Stadt lange Zelt hindurch das Kulturzentrum Europas bildete. Die kraftvolle, romantische und kriegerische Rolle, die Prag, als der am weitesten gegen das Deutschtum vorgeschobene Vorposten slavischer Kultur bildete, kann nicht verfehlen, die Aufmerksamkeil des Geschichtsschreibers auf die interessanten Vorgange zu lenken, deren Schauplatz Prag ein Jahrtausend hindurch gewesen Ist. Den Tschechen von heute beseelt eine vielleicht beispiellos glühende Liebe zu seinem Vaterlande. Was für den Juden. Jerusalem, was für den *