Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 11/12 (11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4921092-5965113-5965269--2023-4924855- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
206 Übung, wohltuender Müsse und frohen Turnspiels Berliner Bar-Kochbäer im herrlichen Freibade am Strande des Wannsees manch einen Sommer- Sonntag verbracht. Dort improvisiert man ein Stadium zum Wettlauf, dort dient der Dünenabhang als Sprungbrett und hier fesselt eine Gruppe Ringkämpfer die Aufmerksamkeit, um dann wieder dem Interesse am Barlauf, Bocksprung und sonstiger Kurzweil zu weichen. Unser Bild möge zeigen, wie sehr die Aestethik dort zu ihrem Rechte kommt, wo sich die Harmonie gerade gewachsener Körper frei von vernunftwidriger Kleidung dem Auge bietet. Vermischtes. Ein jüdischer Knabe als Heldenpreisgewlnner. Die Verwaltung der Carnegie-Stiftung zur Belohnung freiwilliger Heldentaten hat dem jüdischen Schüler Charles Weiss aus dem East-End in New York einen Preis von 2000 Dollars und die Ehrenmedaille zugesprochen, weil Weiss am 28. September d. J. unter Gefährdung seines eigenen Lebens eine ihm unbekannte Frau vom Tode des Ertrinkens rettete. Der junge Weiss, dessen Eltern unbemittelt sind, hat die Absicht, Ingenieur zu werden, und das Stiitungskomitee beschloss, die Preissumme für die Erziehung und Förderung des wackeren Jünglings zu verwenden. Jüdische Einwanderer als Ackerbauer. Der American Herbew veröffentlicht ein Interview mit dem Direktor der „Jewish Colonisation Association" in Paris, Dr. Sonnenfeld, der sich ausserordentlich günstig über die Erfolge ausspricht, die mit jüdischen Kolonisten in .Argentinien und Kanada erzielt worden sind. In ersterem Lande, wo er sich ein Jahr aufgehalten hat, sind von der JCA 12 000 jüdische Farmer angesiedelt worden, die sich als solche vorzüglich bewährt haben. Er erwartet, dass man im Qebiet der Union die gleichen günstigen Erfahrungen machen werde. Dem landläufigen Einwände, dass dem Juden zum Ackerbau die Körperkraft fehle, tritt er mit dem Hinweis auf die in Amerika ja bekanntlich auch schon im Kleinbetrieb sehr allgemeine Verwendung landwirtschaftlicher Maschinen entgegen und meint, dass der Handelsgeist, der den Juden auszeichnet, ihm bei der Verwertung landwirtschaftlicher Produkte besonders zu statten kommen würde. Die Feststellung der Eignung der jüdischen Elemente für landwirtschaftliche Arbeit ist für die Frage der Auswanderung der osteuropäischen Juden, die ja täglich grössere Dimensionen annimmt, jedenfalls sehr wichtig und interessant. Es wird dadurch erwiesen, dass die Juden wohl in Oebieten angesiedelt werden können, wo zunächst auf Handel und Industrie wenig zu rechnen ist, und wo man vor allem die Juden zu bodenständigen Ackerbauern machen muss, um ihnen eine Heimat zu schaffen. Das Korrespondenzblatt des „Zentralbureaus für jüdische Auswandererangetegenheiten" macht Mitteilung von einem Plane zur besseren Verteilung der jüdischen Einwanderer In den Vereinigten Staaten. Eine umsichtige Organisation des Arbeitsnachweises soll sie mehr als bisher als Handwerker in den Industrien und Fabriken des Westens unterbringen; die bereits bestehenden kleinen Ansiedlungen sollen verstärkt werden; die grossen Zentren des amerikanischen Ostens, die zu Riesenghettis wurden, sollen dadurch entlastet werden. Als Haupteinwanderungshafen ist einstweilen O a 1 v e s t o n