Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 11/12 (11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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200 No. 11/1-2 an der Kultur unserer Wirtsvölker. Dann legte er dar, wie unwürdig gerade für die jüdische Frau, die in der Geschichte so erhebende Vorbilder besitze, Gleichgültigkeit gegen die Geschichte ihres Volkes sei, und wie sie berufen sei, an einer besseren Zukunft des jüdischen Volkes mitzuarbeiten, die die Turnbewegung durch körperliche Neubelebung mitbereiten helfe. Nach dem Vortrag blieb man bei musikalischen und deklamatorischen Darbietungen beisammen. Wir erhoffen von dem Abend, der eine erfreuliche Beteiligungsziffer aufwies, eine neuerliche Kräftigung des nationalen Enipiindens in unseren Damenabteilungen. Die beiden Herbstturniahrten der Männerabteilungen zeichneten sich wieder durch eine geringe Teilnehmerzahl aus. Es ist das eine bedauerliche Tatsache, die uns immer wieder an unsere Schwächen erinnert. Zum Turner gehört mehr als Turnfertigkeit, es gehört auch dazu, dass man sich mal am Sonntagmorgen aus den Federn raffen kann zu fröhlicher Turnfahrt! Das scheint unseren Riesenschwungiabrikanten am allerwenigsten einzuleuchten. Unser diesjähriges Stiftungsfest galt gleichzeitig dem Makkabäervjedenken und war seitens des Arbeitsausschusses mit vielem Fleiss vorbereitet worden. Vor allen gebührt unserem lieben Max Biram. der sich in aufopfernder Weise sowohl bei den Vorbereitungen als auch bei dem Fest selbst ins Zeug legte, unser Dank. Alles, bis ins kleinste, war disponiert worden: Für den künstlerischen Teil waren bewährte Kräfte gewonnen, die sich in dankenswerter Weise zur Verfügung stellten, die zahlreichen turnerischen Vorführungen waren bereits wochenlang unter der trefflichen Leitung unseres unermüdlichen Katzky geübt worden, und auch die Kleinarbeit, Propaganda etc. lag in bewährten Händen. Wenn uns trotzdem das Fest nicht voll befriedigte, so darf uns die Ursache des teilweisen Misslingens nicht trübe stimmen: Nach der Prävedenz unserer früheren Feste hatten selbst unsere optimistischsten Ratgeber nur mit einem Besuche gerechnet, der in Wirklichkeit durch die Zahl unserer Gäste um mehrere Hundert übertreffen wurde. Wenn in einer Stadt wie Berlin die Makkabäerfeier eines national-jüdischen Vereins von etwa 900 Personen besucht wird, so ist das ein erfreuliches Zeichen für die Ausbreitung unserer Gedankenwelt. Denn wahrlich, wir sind den Kreisen, die uns früher fernstanden, nicht entgegengekommen. Dass eine so unerwartet hohe Besuchszitfer viele Dispositionen umwerfen musste. leuchtet ein. Das Programm wurde eingeleitet durch einen Prolog, den Herr Friedeniann vom hiesigen Kleinen Theater zum Vortrag brachte. Dann folgten Gesangs-, Klavier-, Cellovorträge, Rezitation jüdischer Dichtungen und die Tendenzrede des Dr. Elias Auerbach. Die turnerischen Darbietungen bildeten zweifellos den Glanzpunkt des Abends. Unsere Frauenabteilungen überraschten durch einen Reigen, der exakt und mit viel Grazie vorgeführt wurde, dann folgte eine Männerriege, die die Stabübungen der Kölner Turntagsriege vorführte. Auch hier klappte alles vorzüglich, wenn auch der Eingeweihte bei einzelnen Turnern ein wenig Akkuratesse vermisstc. Allseitig bewundert wurde die geschickte Komposition der Uebungsgruppen. Nun trat eine fünfgliedrige Musterriege am Barren an, die das Gerät nach jeder Richtung hin bearbeitete: Kippen, Rollen, Luftrollen, Handstftnde, Wandgänge, Hocken und Wagen wurden in Pflicht- und Kürübungen mit grosser Bravour vorgeführt und ernteten stürmischen Beifall. Den Abschluss bildeten fünf harmonisch gebaute Barren-Pyramiden, denen man den Fleiss und die gute Schulung eines jeden einzelnen ansah. Der Abend hat uns wieder einmal gezeigt, dass gut vorbereitete turnerische Uebungen sich auch auf einem Programm, dessen künstlerischer Teil dem verwöhntesten Geschmack Rechnung trag:, be-