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Jüdische Turnzeitung · 1907-11-01 · 11/12 (11.1907) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
8 (1907)
Issue
11/12 (11.1907)
Date
1907-11-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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190 No. 11/12 weglichen Kleinbürger. Und ich freute mich ihrer aus vollem Herzen. Endlich einmal Kraft! Jüdische Kraft, die nicht mehr an Fremde verkauft werden wird! Jüdische Kraft, die im Volke für das Volk nutzbar gemacht werden kann! Kraft im ursprünglichsten Sinne des Wortes! . . . . Und die Makkabäer fielen mir ein. Als ich jung war, konnte ich mich nicht genug sattlaben an ihnen. Es war wie die Entdeckung einer köstlichen Welt für mich, als ich, Geschichte blätternd, an jenen Tagen, an dieser Zeit landete. Ich wollte die seltenen Gestade gar nicht mehr verlassen, die Blicke nicht mehr von den grossen Gestalten wenden, namentlich von dem einen nicht, dem Mildstarken, dem Gütiggrössten, dem barmherzigen Helden, von Jehuda Makkabi. Ich sah sein frommes Lächeln, hörte seine kluge und innige Rede, seine leisen, gemessenen Befehle, — und jubelte auf. Oh, auch wir sind kein kraftverwaistes Volk. Auch aus unseres Volkes Lebenstiefen steigt der Held empor, — der eigene Held, der seines Volkes Wesensrüstung trägt. Und ob des eigenen Helden vergass ich fast des eigenen Volkes. Ich glaube es ja noch heute, dass der Held, der Genius überhaupt, die reinste Verkörperung, das lauterste Symbol, die stolzeste Vollendung, das rechte Werkzeug seines Volkstums ist. Aber ich frage doch auch schon nach dem Volke selbst: nach den grossen, dunklen Massenkörpern, die sich wie rätselhafte Schatten durch die Zeiten stossen und drängen und aus sich heraus alle die Erhabenen gebären; frage schon nach den Unzähligen, denen es nicht gegönnt ist, als leuchtende Sterne aus der endlosen Nacht hervorzutreten, die aber auf ihren dunklen, verschlungenen Einzelpfaden nach ewigen Gesetzen stille Kräfte sammeln oder vergeuden, um ihre Anwälte zu stützen oder im Stiche zu lassen. Und so gehe ich denn unter ihnen herum und forsche ängstlich in ihren Gebärden und Bewegungen nach jenem stummen, fast möchte ich sagen, geistlosen Krafthauche, aus dem sich ein Volk immer und immer wieder neu erzeugt, — leiblich und geistig, schönheitlich und sittlich. Als Jehuda Makkabi rief, da drängte sich das geheimnisvolle Dasein seines Volkes plötzlich licbtbegierig an ihn heran, und es wurde lebensdicht um ihn..... Aber heute, wenn so Einer aufstehen würde, wie er, und riefe, wenn die neue Forderung des nationalen Judentums von Tausenden Lippen als ein Ruf erdröhnt .... bliebe, bleibt es nicht kalt und leer um ihn, um uns? Erfrieren wir nicht

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