Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 10 (10.1907)
- Date
- 1907-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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SüdiFche Cumzelfung. monatsrdiriH für die körperliche Bebung der Süden Herausgegeben pon der?fidifdien Curnerfäiaft. VHI. 9ahra. Ito. 10. Benin nw., Rattwerstr. 25 H. Oktober 1907. Nachdruck der nachfolgenden Orieinalaufsatze ist nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Die Leibesübung bei den Juden Bulgariens. Der physische Zustand der bulgarischen Juden ist im allgemeinen beklagenswert. Weder Schule noch Haus noch Gemeinde erfüllen ihre Pflicht für. die Gesundheit der Jugend. Kaum ist das Kind drei, vier Jahre alt, sorgen schon Vater und Mutter um den Schuleintritt; ja oftmals bestehen sie dem Schulkomitee gegenüber gewaltsam darauf, ihre Kleinen in solchem Alter aufzunehmen. Allgemeiner Grundsatz der bulgarischen Juden ist: so früh als möglich das Kind in die Schule — damit es sie so früh als möglich verlasse! Das bulgarische Judenkind hebt also, vier Jahre alt, seine Studien an, die — eintönig und sinnlos für ein Wesen so zarten Alters — zweifellos sein Wohlbefinden beeinträchtigen müssen. Andererseits liegt die Hygiene an den jüdischen Schulen Bulgariens ganz und gar im Argen. Wenn das so fortgeht, droht vollkommener Verfall der jüdischen Bevölkerungsschichten. Braucht doch das Kind nach 5- bis 6 stündiger Tagesschule all seine übrige freie Zeit für die Schularbeiten im Hause. Und was ist das Ergebnis dieses „Systems" von Erziehung? Das jüdische Kind im Alter von zwölf, dreizehn Jahren, das strahlend sein sollte in Gesundheit, Frohsinn und Schönheit, wird blutarm, appetitlos, kurzsichtig und vor allem nervös leidend. Die Nervosität ist bei den Juden Bulgariens ganz gewöhnliche Sache. Nach Wien strömen jahraus, jahrein zahllose bulgarische und türkische Juden, ihre Nervosität zu kurieren. Geschieht da etwas, das Gesundheitsniveau der bulgarischen Judenschaft wieder zu heben? Durchaus nicht. Eine Prüfung der Schulprogramme wird ergeben: die Leibesübung, das einzige Heilmittel, das Hilfe verspräche, fehlt absolut. Und doch müsste das Turnen obligatorischer Gegenstand an den jüdischen Schulen werden. Der erste Versuch zu seiner Einführung geschah vergangenes Jahr in Philippopel, fraglos unter dem Einfluss des Vereins „Makabi", durch ein zionistisches Komitee. Dort existiert sogar schon ein eigens für das Turnen bestellter Lehrer, der ein Zögling des Vereins „Makabi" war. Uber die Qualität dieses Lehrers — wollen wir lieber schweigen. Aber wer wollte Besseres in Bulgarien verlangen? fst denn die körperliche Erziehung an den christlichen Schulen besser?