Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 9 (9.1907)
- Date
- 1907-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4921092-5965113-5965266--1974-4924808- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 9 167 befasst; von diesem Ausicbuss soll die Zentralisierung der Vereine ausgehen. Es Hegt in der Natur der Sache, dass viel Geld zum Zustandekommen von Sportvereinen gehört, und an diesem Fels sind schon verschiedentlich Gründungen von Sportklubs gescheitert. Wir müssen alle aktiv oder inaktiv beitragen und besonders die grosse .judische Gesellschaft mit heranziehen. Es ist Pflicht jedes Juden, sich um das körperliche Wohl seines Nachwuchses zu bekommen, und wir werden dann mit innerer Freude sehen, in wie kurzer Zeit die nur zu oft anzutreffende minderwertige Karperentwicklung der Juden verschwindet. Dr. Hugo Eisenstadt, Berlin. Bücher. und Zeitschriften. Professor Jakob Obermeyer: „Modernes Judentum Im Morgen- und Abendland." Vergleichende kultur- und religionsgeschichtliche Studien. X und 165 Seiten. 14:22. Preis K. 3 — Mk. 2,50. Wien und Leipzig 1907. Carl Fromme. Das vorliegende Buch ist eine Neuheit auf dem Gebiete der Religionsgeschichte und Völkerpsychologie. Während sich die literarische Welt bis jetzt wesentlich mit dem geschichtlichen Judentum befasst hat, schildert Jakob Obermeyer (Professor der arabischen und persischen Sprache an der k. k. Lehranstalt für orientalische Sprachen in Wien) das Judentum der Gegenwart nach der Seite des religiösen Lebens. Der Gottesdienst, die Seelsorger, die Vorbeter, die Lehrer werden mit plastischer Anschaulichkeit vorgeführt, die Gruppen innerhalb des modernen Judentums, wie Orthodoxie und Reform, scharf gekennzeichnet, die Missbräuche schonungslos blossgestellt, das Scheinwesen gegeisselt, zwei Hauptpunkte des neujüdischen Gottesdienstes, die Totenfeier („Maskir") und das Waisenkaddisch, auf ihren Ursprung, ihre Entwicklung und Entartung untersucht. Die von Jakob Obermeyer hierbei beobachtete Methode ist die geschichtlich-vergleichende, und er ist wie vielleicht kein zweiter dazu berufen, das Judentum vergleichend darzustellen. Er hat in seinen jungen Jahren das westliche Asien, Nordafrika und einen grossen Teil Europas aus eigener Anschauung kennen gelernt; während seines mehr als zehnjährigen Aufenthaltes in Bagdad hat er das morgenländische Judentum gründlich studiert und das rabbinische Schrifttum an der Stätte seines Wachstums durchforscht. Die Darstellung ist gemeinverständlich, von erfrischender Lebendigkeit und rückhaltsloser Wahrheitsliebe. Durch den frommen Ernst des Verfassers wird auch seinen schärfsten Ausfällen der Stachel der Satire genommen. Marginalnoten, die jede Seite begleiten, geben dem Buche erhöhte Übersichtlichkeit und erleichtern dem Leser die Orientierung. „Körper und Geist". Dr. med. Alice Profe-Charlottenburg publiziert in der Juni-Nummer einen sehr interessanten Aufsatz „Unsinn im Mädchenturne n", der die Fabel zerstören will, dass im Frauenturnen das Anmutige und Gefällige in den Vordergrund zu stellen sei, dass alles Wilde, Eckige, Unschöne ihm fernbleiben müsse, dass es nur solche Kraft fördernde Übungen enthalten dürfe, die zugleich schön und gefällig sind. Dagegen steht ihr Leitsatz: „Nur aus vollendeter Kraft blickt die Anmut hervor." Sie stellt demgemäss fest, dass heute im männlichen Turnen viel mehr Anmut zu finden sei als beim weiblichen; denn nur an ernstes Wollen und harte Arbeit, nicht an spielende Tändelei knüpft Natur gewöhnlich den Preis der Vollendung. Das heutige Mädchenturnen aber ist nichts anderes als spielende Tändelei, und was es züchtet, Unnatur und