Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 8 (8.1907)
- Date
- 1907-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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148 No. 8 Es ist also noch lange keine Ursache, üher Degeneration der Juden zu klagen und düster in die Zukunft des jüdischen Volkes zu schauen. Dass hierdurch die Notwendigkeit der Turnbewegung nicht gemindert wird, ist wohl überflüssig zu betonen. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. H. G. H e y m a n n. Nachbemerkung der Redaktion: Uns erscheinen die dankenswerten Bemerkungen dieser Zuschrift doch nicht zwingend. Es ist oft darauf hingewiesen worden, dass die geringeren Sterbefälle unter den Juden zum grossen Teile daher rühren, dass sie ihre schwachen Kinder und Kranken besser pflegen und dadurch länger erhalten. Ein beträchtlicher Prozentsatz dieser Erhaltenen ist also physisch minderwertig und kann das physische Niveau der Gesamtheit nicht erhöhen, sondern nur herabdrücken. Uns scheinen die Geburtenziffern massgebender, die in Osteuropa ja keinesfalls durch Malthusianismus (den wir übrigens selbst für eine Degenerationserscheinung halten) beeinflusst werden. Der Bevölkerungszuwachs unter den Juden der Niederlande erklärt sich wohl nur in der Hauptsache durch die Einwanderung, beweist also gar nichts. — Die Wertung der Wolffschen Zahlen scheint uns daher durch die Einsendung — so sehr wir das in Interesse der jüdischen Physis wünschten — nicht erschüttert. Die Hauptsache aber bleibt, dass Dr. Heymann trotz der verschiedenen Prämissen dieselben Forderungen anerkennt wie das Wolffsche Referat. Aus der Jüdischen Turnerwelt. Laut einer Meldung der Wiener „Jüdischen Zeitung" ist in Tarnopol (Galizien) ein jüdischer Turnverein gegründet worden. Hedad! Jüdischer Turnverein Bar Kochba, Berlin. Am Sonnabend, den 6. und Sonntag, den 7. Juli, unternahmen unsere Männerabteilungen gemeinsam mit der Lehrlingsabteilung eine Nacht- und Tages-Turnfahrt. Es verlohnt, ausführlich zu berichten: Den Nachtmarsch legten die beiden Trupps getrennt zurück, da an zwei Orten Notquartier gemacht war: Die Männerabteilungen erreichten nach 2V2 Stunden Paetz, während die Lehrlinge nach einstündigem Marsche in Körbiskrug ankamen. Durch Gesang und Kalauer suchte man sich über die Anstrengungen des Nachtmarsches hinwegzutäuschen. Es ist kein Zweifel: Auch die beste Gesellschaft vermag nicht den Anreiz, den am Tage das wechselnde Landschaftsbild dem Wanderer bietet, zu ersetzen. Die eintönige Nacht mehrt eine jede Strapaze bedeutend und zeigt, wie schwer psychische Momente bei körperlichen Leistungen ins Gewicht fallen. Um Y>2 Uhr nahm die Männerabteilung in Paetz das gastliche Dach eines Heubodens auf, dessen Zugang durch einen stattlichen Dunghaufen gegen feindliche Angriffe gedeckt war. Die Lehrlinge waren noch vornehmer und fanden in Körbiskrug Strohsäcke vor. Nur wenige „Vernünftige" behaupten, geschlafen zu haben. Sonst prügelte man sich oder versuchte sonstwie zu zeigen, dass man den Schlaf nicht nötig habe. Aber schliesslich hat alles mal ein Ende; und so glaubten denn auch schon um Vi4 Uhr einige Turner, ihre sämtlichen Witze abgesetzt zu haben. Man ging hinab zum Paetzer See und nahm ein Morgenluftlichtsonnensportschwimmbad. Dann ein gemeinsames frühstück und um 7 Uhr Weitermarsch. Melodie: Des Sonntags in der Morgenstund'. Die Lehrlinge waren bereits um 4 Uhr aufgebrochen, so dass sie schon um 8 Uhr durch fröhlichen Hornruf die Männerabteilung lockten. Unter den Klängen der von unseren trefflichen Spielmöpsen (zwei