Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 8 (8.1907)
- Date
- 1907-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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146 So. 8 Wie aber muss die Arbeit geschehen? Der Ausschuss möge sich sofort mit der Frage beschäftigen und mit Hilfe nationalgesinnter jüdischer Lehrer und Erzieher ein Programm aufstellen, das dem Zwecke dienen soll, unsern Mitgliedern in gleicher Weise die Kenntnis des alten und des neuen Judentums zu vermitteln. Dabei muss so vorgegangen werden, dass die Sache nicht unterrichtsmässig und langweilig wird, dass sie stets interessant bleibt und durch Abwechselung wirkt. Aller Ballast soll entfernt bleiben, nur das Notwendige soll gegeben werden. Das Ziel muss nicht sein, gelehrte Juden, Wissenschaftler des Judentums, zu erziehen, sondern unsern Mitgliedern soviel Kenntnis vom Judentum zu verschaffen, dass es ihnen interessant und wertvoll erscheint und dass sie angeregt werden, sich selbst weiter mit den Fragen des Judentums zu befassen. Die Methode soll darin bestehen, dass eine Reihe von Vortragsthematen ausgearbeitet werden, die im Zusammenhange mit einander dem oben genannten Zwecke dienen. Diese Themata sollen den Vereinen zur Verfügung gestellt werden. Sache des Ausschusses ist es dann, durch fortgesetzte Anregung und Kontrolle darüber zu wachen, dass die Vereine dieser ihrer Pflicht nachkommen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich gleich betonen, dass meines Erachtens der Ausschuss überhaupt viel häufiger und intensiver an die Vereine herantreten müsse. Schon zu Zwecken der Propaganda und des Zusammenhaltens ist es notwendig, dass cer Ausschuss den Vereinen wenigstens monatlich einmal eine Nachricht, eine Anregung usw. zukommen lässt. Von der Kommission, deren Bildung ich vorschlage, könnten oder miissten diese Themata oder einzelne von ihnen auch ausgeführt und den Vereinen zugänglich gemacht werden. Vielleicht würde auf diese Weise der Qrundstein zu einer Bibliothek für die jüdische Fortbildung der jüdischen Jugend gelegt. Neben diesen Abhandlungen könnte die Kommission auch Vorschläge für Themata allgemeiner Natur machen und sich mit den in dieses Oebiet fallenden Fragen befassen. Wie gestalte ich eine Festlichkeit national? Wie hctätige ich meine nationale Gesinnung in den verschiedenen Lebenslagen? usw. usw. Und dann müsste dafür gesorgt werden, dass auch die Turnzeitung vielleicht durch eine Beilage in dieser Hinsicht ausgebaut wird. Zwar finden wir jetzt schon dort hin und wieder allgemeine Artikel über diese oder jene nationale Frage, aber sie sind meist zu theoretisch und zu wenig auf die Anforderungen der Turnvereine zugeschnitten. Alle die Vorschläge, die ich zu machen hätte, hier einzeln aufzuführen und zu begründen, würde zu weit führen. Was ich wollte, ist: die Aufmerksamkeit des Turntages auf diese Frage lenken und der Turnerschaft vor Augen führen, dass diese Aufgabe zu den wichtigsten gehört, die sie hat. Seien wir uns klar darüber: Unsere Sache ist in Gefahr. Unsere nationale Fortbildung hat mit der turnerischen nicht Schritt gehalten. Wenn wir nicht bald einschreiten und bald etwas tun, wird uns der Boden unter den Füssen weggezogen sein. Es liegt ein Antrag vor, Vorturnerstunden einzurichten. Ein sehr begrüssenswerter Antrag, weil er darauf ausläuft, uns turnerische Lehrer zu schaffen, unsere turnerische Fortbildung zu garantieren. Vergessen wir nicht, dass uns das Turnen nur ein Mittel zum Zwecke ist, und dass unser Zweck ein jüdischer ist. Die Aufgabe, die unser harrt, ist gross und schwer. Aber sie ist auch schön. Die Jugend dem Judentume gewinnen, was kann es Schöneres geben! Ich schlage folgenden ßeschluss vor: In Anerkennung der Notwendigkeit, die jüdische Jugend und insbesondere die Mitglieder der Jüdischen Turnerschaft zu aufrechten, ihres Judentums bewussten Menschen zu erziehen, setzt der Dritte Jüdische Turn-