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Jüdische Turnzeitung · 1907-07-01 · 7 (7.1907) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
8 (1907)
Issue
7 (7.1907)
Date
1907-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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116 Erdaufwürfe, zwischen die starr verschlungenen Gewinde von Epheu, die bleichen Scharen von erstaunt, verzerrt dreinblickenden Blumen, zwischen die steifen mit goldenen Buchstabenketten behängten Steine und die frevelhaft lebenähnlichen Marmorstatuetten, ergoss sich wirr, in Beklemmung hastend, wie die Toten schweigsam, unser Zug. Auf einmal lag Theodor Herzl vor uns. Als träfe uns sein Flammenauge, traf uns sein Name da auf dem harten Steine. Als wäre sie eine leichte Decke über einer Brust voll Atem, schien die Erde seines Hügels sich zu heben, zu senken in Wellenlinien. So auf und nieder hob ununterdrückbares Schluchzen unsere "heisse, wie felsenbeschwerte Brust. Wir wendeten uns und weinten. Einer von uns trat zu ihm hin, zwang sich und sprach; aus Träumen einer leidenden Seele heraus, a^s bebenden Lippen. Er zwang sich und sprach: „Verstattet mir, Freunde, ihm ein Lied. Ihm, dem wir im Leben nicht genaht, im Tode durften wir zu ihm treten. Zu ihm, der da ruht, unserm Vater und König. Malkenu, Owinu! Wir treten zu Dir in Trauer, in Liebe, Deiner Kinder, Deiner Jünger eine kleine Schar. Du hast uns gezeugt und uns geboren. Deine Schönheit und Kraft hast Du eingepflanzt in unser Mark. Eh' Du warst, lag Finsternis auf unserm Antlitz; wie Festungsmauern umspannten Qualen rings unser Volk. Du öffnetest Dein Auge — Da sprang vor uns auf, weit, leuchtend, gross, eine goldene Pforte. Hinter ihr erglänzte schimmernde Röte, Unter unseren Füssen tanzten auf schwellendem Teppich glückleuchtende Blumen. Die Halme wogten gebeugt von Segen. Darüber aber erhob zur Sonne auf ihre zarte Brust und schmetterte gewaltig ihr Lied die Lerche — das Lied der Freiheit. Die Schönheit und die Freiheit, Du schenktest sie uns. Wir reckten uns, und wir waren wie trunken. Unser Vater, unser König! Malkenu, Owinu!-- Du gingst dahin — da schlug zu das Tor, und wir blieben draussen. Allein und im Dunkel, wie ehedem.

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