Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 6 (6.1907)
- Date
- 1907-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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112 No. 6 c) Prüfung und Sichtung der Geratabungen nach dem Uebungswert in Hinsicht auf das Uebungsbedürfnis der Schaler, wobei aber nicht bloss orthopädisch-gesundheitliche Gesichtspunkte massgebend sein dürfen, d) leichten, elastischen Schritt, e) weite, ausgibige Bewegungen, f) Schnelligkeit der Aufstellung und Umordoung, g) möglichsten Verzicht auf Springbretter und Matratzen, h) Verwendung einer zweckmassigen Turntracht, namentlich von Turnschuhen, i) vor allem aber grössere Freiheit und Kraft für das Mädchentarnen. Ober die Unmässigkeit unter den deutschen Turnern fahren .Die deutsche Turnzeitung* und die Zeitschrift „Kraft und Schönheit" eine erregte Controverse. Nachdem schon vor einiger Zeit die antialkoholisch gesinnte .Deutsche Guttempler-Zeitung" Aber das Kneipen innerhalb der deutschen Turnerschaft ausführliche Erörterungen gebracht und den Turnvater Jahn als Abstinenten für sich reklamiert hatte, brachte unlängst die oben genannte Monatsschrift eine Mitteilung Ober einen .Herrenabend" im Hamburger Turnverein, von dem durch offiziellen Beschlusa das weibliche Element ausgeschlossen worden sei, damit die Herren sieb in der .Gemütlichkeit" besser gehen lassen konnten. Diese Notiz hatte .Die deutsche Turnzeitung" einen ordinären und ungerechtfertigten Angriff genannt; nunmehr antwortet .Kraft und Schönheit", indem sie auf der Authenzitat ihrer Mitteilung besteht und durch eine Korrespondenz ahnliche oder noch schlimmere Vorgange an den Pranger stellt. Auch nach der allerneuesten Replik der .Deutschen Turnzeitung" weicht die Angreiferin nicht zurück, sondern rückt mit immer weiteren Anschuldigungen heraus. Herzflbung und Herzerweiterung. Prof. F. A. Schmidt in Bonn fahrt in der Zeitschritt .Körper und Geist" folgendes aus: Das Herz ist bei der heranwachsenden Jugend zwar noch nicht völlig ausgebildet, aber im Verhältnis zur ganzen Körperverfassung in manchem Betracht viel leistungsfähiger als bei Erwachsenen. Die Gefahr einer akuten Herzerweiterung bei der Jugend durch Schnelligkeits- und Dauerbewegungen im Turnen, Spiel und leichtem Sport ist nicht vorhanden. Im Gegenteil wirken Lauf, Springen, Werfen usw. nur günstig auf das gesunde Herz, ja sollen sogar imstande sein, ein bereits erweitertes Herz unter Umstanden wieder zur Norm zu verkleinern. Die besten Herzen fanden sich nach der Feststellung von Fachleuten bei Sportsleuten, welche sich der Leichtathletik widmeten. Es hatten Herzprojektion: Leichtathleten 69,8 qcm Turner 87,6 . Radfahrer 89,5 , Fechter 98 . Schwerathleten 98,3 , Schwimmer 99,5 . Auf die Frage: .Wann ist zuerst Anlass zur Herzerweiterung gegeben?* antwortet Prof. Schmidt: Wenn ein wenig geübtes und darum schlappes und wenij widerstandsfähiges Herz noch dazu gewohnheitsmassig durch Alkohol geschwächt und durch die Überschwemmung des Msgens mit grossen Fl Ossigkeitsmengen, also durch das Verschlingen von Bier literweise, belastet wirdl Dänisches Frauenturnen. Die Danen stehen auf dem Standpunkt, data zur Erziehung eines wehrhaften Volkes kräftige Frauen gehören. Darum betreiben dort auch die Mädchen und Frauen kraftfordernde Übungen. Das ist auch das Natürliche. Bei kleinen Madchen ist überall zu beobachten, dass sie mit den Brüdern um die Wette turnen. Erst splter wird ihnen durch verkehrte Erziehung .weil** liehe Schwachheit' beigebracht. Zum Glück bricht sich mehr und mehr die Bewegung Bahn, welche fordert: Lasst die Mldchen laufen und springen wie die Buben. Trotz der kraftvollen Übungen turnen die Daninnen mit Anmut und Grazie. Dauer* Übungen werden bevorzugt. In jeder Stunde wird der Sprung geübt, auch Ober Pferd und Bock! Alte Turnerinnen tragen bis zum Knie reichende, dunkelblau* rockartige Turnhose und weisse oder blaue 3weater, aber kein KorsettI (Körper und Geist.).