Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 6 (6.1907)
- Date
- 1907-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 6 107 jüdische Jugend ihre Kraft und Gewandtheit zeigte; man war es bisher gewohnt, nur in anderen Kreisen derartige Dinge zu schauen und nun rafften sie sich auf, die Jungen und die Alten, die Starken und die Schwachen und, turnen und singen in heiliger Begeisterung: „Der Jude reissi entzwei den Bann, Der Jude will erwachen---." Und nun das Theaterstück „Turnen ist keine Sünd" von Parness. Es war nicht schwer zu erraten, wer der Verfasser des so flott von den Mitgliedern des Vereins gespielten Theaterstückes war. Solche scharf pointierten Anspielungen auf die Lokalvorkommnisse des jüdischen Gemeindelebens kann nur Julius Berger niederschreiben. Das Theaterstück ist in seiner Tendenz eine Satyre mit sehr ernstem Inhalt. Und wenn ein Herr Kohn in dem Stück seinen Partner mit Verwunderung fragt, ob denn wirklich sich Juden finden, die in einem jüdischen Turnverein turnen, so klingt das zwar scherzhaft, ist aber leider typisch. Die musikalische Leitung war in den sicheren Händen des Herrn Karl Moses. Dass bei dieser Gelegenheit Herr Berger stürmischer als sonst bejubelt wurde und seine Getreuen ihm sogar einen Lorbeerkranz verehrten, ist nicht weiter verwunderlich, denn die Arbeit dieses Vorsitzenden für diesen Verein ist bewundernswert. Am frühen Morgen erst leerte sich der Saal und die Menge ging nach Hause, berauscht, nicht vom Weine, sondern von den gebotenen Genüssen, und allen summt noch das Lied in den Ohren mit dem prachtigen Refrain: Schon hebt das Volk sich wie ein Mann, Die Starken und die Schwachen, Der Jude reisst entzwei den Bann, Der Jude will erwachen. Möge der Jüdische Turnverein zu Köln so weiter fortfahren, die Muskelkraft und das jädische Selbstbewusstsein zu stärken und zu kraftigen. Strassburg. Trotz der vielen Prophezeihungen der Gegner steht der hiesige „Jüdische Turnverein" in hoher Blüte. Dass sein Bestehen keinen Antisemitismus erweckt, selbst in den Kreisen, wo er am häufigsten ist, beweist folgende Antwort der Kommandantur von Strassburg auf ein Gesuch des Vereins: „Auf Ihr Schreiben vom 15. V. 1907 teilt die Kommandantur mit, dass der Jüdische Turnverein auf dem Exerzierplatz zwischen Steinwallstr. und Steinring an den Sonntagen dieses Sommers, zwischen 7 und 9 Uhr vormittags, Turn- und Exerzierübungen abhalten darf. Der Kommandant von Pawlovski, Generalleutnant-. Der Verein hat jetzt auch einen Turnlehrer und verspricht daher die besten Erfolge. Braila. Prima societate israelita de Glmnastlca. Die Berichterstattung an unser geschätztes Verbandsblatt erlitt durch die plötzliche Abreise unseres lieben fleisslgen Schriftführers Herrn Felix Strass, eine lange Unterbrechung; unsere Arbeit ging unterdessen flelssig fort, und können wir das abgelaufene Vereinsjahr ein günstiges nennen. Viel trug dazu auch <j'e Neuregelung der inneren Vereinslage bei, die hauptsächlich darin bestand, dass wir In den Reihen unserer Mitgliederschaft Umschau hielten, um nur diejenigen in unserer Mitte zu behalten, die für die Wichtigkeit unserer jüdischen Turnsache Verständnis und Interesse haben. Die lurnabende waren dennoch gut besucht und die Turner von einer Disfjplin beseelt, welche die aufopfernde Arbeit unseres ersten Turnwartes Herrn W. Leibowitz um ein Beträchtliches leichter machte. Die Beteiligung unserer Mitglieder an den Turnstunden stellt sieh durchschnittlich Per Abend wie folgt: