Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 6 (6.1907)
- Date
- 1907-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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92 No. 6 perlich und geistig eine Eliteschar. Und alle vom besten Willen erfüllt, ihr Wertvollstes zu leisten. Besonders aber begierig, von einander zu lernen, der Fruchtkeime möglichst hohe Zahl zusammenzuraffen und daheim im eigenen Acker einzupflanzen. Waren unsere ältesten, wackersten Kämpfer auch nicht alle zugegen, so haben doch ihre jüngeren Sachwalter gezeigt, dass es an neuen Kräften nicht fehlt, die ihre begonnene Riesenarbeit im Takt und Schwung zu erhalten, ja zu mehren wohl imstande sind. Leider sind nicht alle Verbandsstädte unserem Ruf gefolgt. Sie mögen das bedauern; aber auch zu ihnen hin werden die Wirkungswellen der Wiener Tage ihre Kreise ziehen. Und ein andermal werden sie nicht mehr ausbleiben wollen, um nicht wieder der ungleich reicheren, unmittelbaren Befruchtung durch den lebendigen Kontakt verlustig zu gehen. Der Turntag war eine Heerschau unseres gegenwärtigen Bestandes, eine Revue über die letzten Jahre unseres Werdens zugleich. Ein Anlass zum Frohlocken ergab sich nicht, aber doch wohltuende Befriedigung. Ins Ungemessene gewachsen sind wir nicht, aber wir haben ein gefestigtes Sein erreicht, eine Plattform, auf der ein Sicherstehen und ein Aufbau ins Grosse möglich ist. Und indem der Turntag dies offenbaren konnte, ist er zu einem Markstein in der Regenerationsbewegung des jüdischen Volkskörpers geworden. Wir dürfen wohl sagen: Bis zum dritten Turntag war die Begründung der Jüdischen Turnerschaft beendet; vom dritten Turntag beginnt ihre Ausdehnung ins Weite. Es trifft sich gut, dass im neuen Ausschuss, dem die neue Arbeit zu Händen geliefert wird, sich von jenen alten Kräften welche wiederfinden, die auch die erste Grundlegungsarbeit mit starken Armen beginnen und zu so gesundem Gedeihen vorbereiten durften. Das gibt Gewähr auch fürs Kommende. Die reichen Ideen, die dem Turntage und von diesem dem Ausschuss Ubermittelt wurden, gelangen in gute Hände. Der Doppelcharakter der jüdischen Turnidee hat auf dem Wiener Turntag neue klare Ausprägung gefunden. Die Turnkunst, das Streben nach idealer Ausbildung der Leiblichkeit an sich, wie der nationaljüdische Gedanke, dem jene bei uns dienen soll, sind gleicherweise in gründlichen Erörterungen, Vorschlägen und Beschlüssen zu Worte gekommen. Es hat sich gezeigt, dass in der Jüdischen Turnerschaft nach wie vor keine Neigung besteht, den