Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 3 (3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3 35 und Errettung durch das Wimperzucken einer herrschenden Macht, die ausser und über dem Volke wie eine Sklavenpeitsche niederwinkend hängt. Dass Purim ein allgemeinjüdisches Fest werden konnte, mehr geliebt und gehätschelt als andere spät entstandene Feste, ganz besonders von der dumpfen, grossen Masse, wäre beschämend für unsere tief und gross angelegte Nation, wenn es nicht eine furchtbare Anklage gegen unsere ewigen Unterdrücker wäre, die diese Nation so ausartend machten. Dass es sich bis heute so behaupten konnte und noch heute lebendig ist wie je, ist unsere Marke der Knechtschaft. Purim ist das Fest unseres Goluslebens von ehegestern und heute, wie der 9. Abh seine Trauerfeier. Und wenn nach dem Wort unserer Weisen dereinst in den neuen Tagen der Freiheit, der 9. Abh unser grösster Freudentag sein wird, wird Purim ohne Zweifel in derselben Zukunft zum Trauerzeichen unserer ehemaligen Knechtschaft werden. Wie anders Pessach! Als dieses Fest dem Grunde der jüdischen Geschichte entstieg, stand unser Volk in der Blüte seiner ersten Jugend. Sein feuriger Herrengeist schwelgte in grossen, leuchtenden Erinnerungsbildern. Der grösste Genius der Menschheit hatte es aus einer Schar gequälter Tiere zu einem Volke des Geistes und Schwertes umgeschaffen. An der Spitze der welthistorischen Millionenbefreiung hatte die Tat gestanden. Hier war ein Sohn des Volkes, der Königssohn, aber Unterdrücker hätte bleiben können, zum schlichten Hirten hinabgestiegen, um so Befreier werden zu können. Das jüdische Volk in Egypten war wohl geduckt, tausendmal schlimmer geduckt als die nach Persien verbannten Spätjuden es €mpfinden mussten — aber aus seiner Mitte heraus, nicht mit Fasten und Beten, nicht in Sack und Asche, nicht mit den leisen Tritten der Frauenschlauheit, sondern mit den klirrenden Schritten des Kriegers, der ehernen Stirn des unbeugsamen Mannes, der ruhigen, fanfarenstolzen Gewalt des Mutes, der Freiheitsglut und des Gerechtigkeitstrotzes — trat hier der Widerstand, im Besten des Volkes zu herrlicher Schönheit gesammelt, vor alle Welt hin. Mose begann mit der Tat, die aus glühender Seele erzeugt war, "»dem er den egyptischen Bluthund niederstreckte, der seine Brüder peinigte. Und er lebte, stritt und starb in Taten, die gross waren wie die erste, weil eine grosse Seele sie aus sich heraus-