Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 3 (3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3üdifche Cumzeitung. monafsrdiriff für die körperliche Bebung der 3uden Herausgegeben von der 3üdifchen Curnerfdiaff. y'jL^jljgill____r^^J^S^Jj^". niärz 1907. Nachdruck der nachfolgenden Originalaufsatze ist nur mit fenauer Quellenangabe gestattet. Das Sklavenfest und das Pest der Freien. Wenn die letzten hämischen Spässe des Nordwinds sich Mühe geben, über den trübseligen Abzug des Winters hinwegzutäuschen, und die ersten Fanfarenstösse des Frühlings gegen die Wälder und Berge brausen, mit dem jüdischen Jahresanfang am 1. Nissan, der kein ausgeklügeltes Kalenderdatum, sondern der wirkliche Beginn des neuen Naturatmens und -knospens ist, stehen wir zwischen zwei Festen. Man sollte kaum glauben, dass sie beide unser Eigen sind: das Fest der süssen Kuchen und der faden Brote, der tollen Spässe und der sinnigen Sitte, der aufgetakelte Werktag und die heilige Woche, unsere Purim und Pessach. Und doch sind sie beide am Ende eins und dasselbe, die Posse und das ernste Spiel, ihr Grundtext einer: wir feiern unser ewiges Sein. Man sollte die Freude an der eigenen Existenz für ein Zeichen der Gesundheit halten; jedes gesunde Volk legt sie in seine Feste. Aber die allzuhäufige Wiederholung dieses einen Sinnes in allen unseren jüdischen Festen und Fasten ist vielleicht ebenso sehr ein ängstliches Sichvergewissern, dass wir noch leben, dass unser Puls noch geht, als das siegessichere, über alle Zweifel und Qualen triumphierende Gefühl nationaler Unvergänglichkeit. Wer allzuviel von seiner Gesundheit spricht, muss sie wohl als ein flüchtiges, kündbares Geschenk empfinden, muss zum mindesten in häufiger Gefahr geschwebt haben, sie zu verlieren. So steht es bei uns. Alle unsere Volksfeste — soweit sie nicht rein religiösen Inhalt in sich tragen — haben eine Volksgefahr zum Entstehungsgrund: die egyptische Knechtschaft, die Leiden der Wüste, die Tyrannei der Syrer und das peinliche Joch der persischen Satrapenherrschaft.