Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 2 (2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No 2 21 Deutschland heute noch zu vertreten vermag, besonders bei Juden selbst. Unsere Erfahrung hat vollauf bestätigt, dass jüdische junge Leute zu uns gekommen sind, weil wir jüdische Turner sind. Einem deutschen Turnvereine wären sie gar nicht beigetreten, dem Turnen also überhaupt verloren gegangen! — Nun zur gegenseitigen Anregung durch Turnfeste, Zusammenturnen usw.! Wir weisen auf unser erstes grösseres Zusammen- und Schauturnen im August 1903 in Basel hin! Ferner auf die oftmaligen gegenseitigen Besuche, gemeinsamen Schauturnen, Turnfahrten usw., die wir garnicht alle aufzählen können. Die örtlich nahe bei einander liegenden Vereine pflegen sich bei uns ebenso gern näher zu treten, wie in der Deutschen Turnerschaft; Berlin,- Frankfurt a. O.-Stettin-Posen z. B.; Schauturnen dieser Art, in Frankfurt a. O. und Stettin, haben bereits stattgefunden. Pfingsten dieses Jahres findet in Wien aus Anlass des 3jüdischen Turntages ein grosses Verbandsschauturnen mit Vorturnerstunde usw. statt. Es würde uns freuen, Sie dort begrüssen zu können. Wir sind überzeugt, dass Ihre Anschauungen in der Praxis dann eine recht wesentliche Änderung erfahren würden. Die Anforderungen, welche wir an unsere Mitglieder stellen, sind erheblich grösser, als in der Deutschen Turnerschaft. Ihr Opfermut ist nicht gering. Die grösseren Reisekosten der Veranstaltungen werden gern bestritten. Festbummler, die bei allen deutschen Turnfesten in der grossen Mehrzahl sind (siehe Statistik), gibt es bei uns nicht. Die Pflege der Geselligkeit durch grössere Mengen Alkohol ist nicht unsere Art. Wir legen ganz besonderen Wert darauf, dass das bei den Juden ausserordentlich angestrengte Nervensystem gestählt und gekräftigt wird. Wollen wir die dringend notwendige körperliche Betätigung einer möglichst grossen Zahl Juden herbeiführen, die sich frei geben können wie sie sind, so kann dies nur in j ü d i s c h e n T u r nvereinen geschehen. Glauben die jüdischen Mitglieder der Deutschen Turnerschaft in ihren Reihen ausharren zu können, so mögen sie dies tun. Wir n»ben noch niemals unter ihnen Propaganda für unsere Sache getrieben. So wie es Juden gibt, die das christlich-deutsche Weihnachtsfest feiern und dabei mittun wie die andern, so wird es