Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 2 (2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2 gerade dieser Kreise an uns glauben wir der gesamten Turnsache einen grossen Dienst erwiesen zu haben. Bei der Betrachtung der von Ihnen aufgeworfenen Frage: Kann die Jüdische Turnerschaft ihre Aufgabe erfüllen? bitten wir Sie wohl zu beachten, was wir als solche betrachten, und auch von der Deutschen Turnerschaft gern betrachtet wissen möchten! Die von Ihnen erwähnte Statistik ist unvollständig. Es gibt bereits trotz des noch nicht vierjährigen Bestehens der Jüdischen Turnerschaft über 40 jüdische Turnvereine. In Deutschland z. B. noch in Strassburg, Hamburg, Samter, Gnesen; in Österreich - Ungarn z. B. 2 Vereine in Wien, ferner in Prag, Graz, Lemberg, Prossnitz, Mähr.-Ostrau, Ungar. Hradisch, Oderfurt, Pressburg usw.; 12 Verieine bestehen in Bulgarien und Rumänien. Fördern wir die Turnsache bei den Juden? so fragen Sie. Dies ist keine Frage mehr! Es ist, allein schon aus den Ihnen genannten Gründen für unsere Sonderstellung, anerkannte Tatsache! Selbst anerkannt in der Deutschen Turnerschaft, z. B. durch deren Ehrenvorsitzenden Herrn Hofrat Maul und andere hervorragende Persönlichkeiten. Hätten wir bei <ler Gründung eines jüdischen Turnvereins nicht ganz andere Schwierigkeiten zu überwinden, als sie sich deutschen Turnvereinen entgegenstellen, so wäre unsere Zahl erheblich grösser. Diese Hindernisse bestehen eines Teils in der Abneigung gewisser jüdischer Kreise uns beizutreten, aus Besorgnis, noch mehr Antisemitismus gegen sich anzufachen oder in den Geruch nicht ausreichender patriotischer Gesinnung zu kommen. Anderen Teils werden uns von Behörden fast unüberwindliche Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Erst ganz neuerdings hat die für liberal angesehene Stadtverwaltung in Königsberg i. Pr. den bereits mit 110 Mitgliedern gegründeten jüdischen Turnverein durch Verweigerung der Turnhalle zur Auflösung gezwungen! Trotz dieser gewaltige« Hindernisse, über die wir uns keinen Täuschungen hingeben, schreiten wir rüstig vorwärts. Un s er e Vate r 1 and sli e be anzuzweifeln können wir nicht gestatten. Bestreiten kann sie uns nur, wer auf dem engherzigen Standpunkte steht, dass im grossen deutschen Reiche, welches wie jedes andere Staatswesen, verschiedene Nationalitäten aufweist, kein Platz sel für andere, als rein deutsch-völkische Anschauungen! Für unsere österreichischen TurnbrQder z. B. erscheinen solche Meinungen völlig abgetan. Sie können kaum begreifen, dass man sie »o