Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 1 (1.1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1 5 Vereinen fast immer ein solcher Turnverein bestehen. Und es wäre wirklich kein Ruhm für das deutsche Volk, wenn nicht wenigstens eine kleine Minorität vorhanden wäre, die in dem Juden nicht den unsympathischen Fremden, sondern den ehrlich und eifrig strebenden Mitbürger erblicken würde. Nun entsteht in manchem von uns, und nicht in den schlechtesten, die Frage: Haben wir ein Recht, diese mühsam geknüpften Bande zu zerstören? Dürfen wir durch Gründung eines jüdischen Turnvereins einerseits die Stellung der Juden in diesen Vereinen gefährden, andererseits den Prozentsatz derjenigen Nichtjuden verringern, die uns bis dahin ein freundliches Entgegenkommen bewiesen haben? Unser Herz und unser Verstand sagen: Nein. Es wäre ein sehr missverstandenes Nationaljudentum, wenn man glaubte, dass wir durch Schürung von Hass und Zwietracht, durch absichtliche Förderung des Antisemitismus unseren Zielen näher kommen. Nur dadurch, dass wir uns das achtungsvolle Verständnis der Nichtjuden erwerben, werden wir uns freie Bahn zu unserem Ziele schaffen. Wenn wir auf unserem Wege nur gehässigen Angriffen begegnen werden, wird unser schwaches Häuflein ermatten. Schon aus Nützlichkeitsgründen ist also jede Agitation unserer Sache gefährlich, die den Antisemitismus nur im geringsten zu fördern geeignet ist. Häufig allerdings ist auch in solchen Vereinen der Antisemitismus vorhanden, nur latent. Beim geringsten Anlass lodert er in bellen Flammen empor. Aber auch in solchen Fällen dürfen wir den Anlass dazu nicht geben. Wenn also die Gründung jüdischer Turnvereine in solchem Sinne gefährlich ist, soll man sie dann ganz unterlassen? Nein. Man soll dabei aber keine Fehler begehen. Unsere Turnvereine unterscheiden sich grundsätzlich von den paritätischen. In unseren Turnvereinen wollen wir unsere jüdische Jugend für das nationale Judentum begeistern, und wir gründen Turnvereine, weil diese sich als hervorragendes Mittel für solche Zwecke erwiesen haben. Wir schliessen Nichtjuden aus unseren Turnvereinen aus, nicht, weil wir uns von ihnen absondern wollen, sondern weil wir sie einfach nicht darin gebrauchen können, weil es eben lächerlich wäre zu verlangen, dass Nichtjuden unsere Jungen zum Nationaljudentum bekehren sollen. Überall, wo sich nur eine gemeinschaftliche Basis findet, wollen wir gern und freudig mit diesen uns freundlich gesinnten Elementen zusammen arbeiten, und ich glaube, es ist müssig, diesen Wunsch durch Beweise zu be-