Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 1 (1.1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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4 No. 1 Da ich das Gebiet, selbst bei grösster Breite, im Rahmen eines Artikels nicht erschöpfen kann, beschränke ich mich darauf, die allgemeinen grossen Gesichtspunkte festzulegen. Die jüdischen Turnvereine, soweit sie für uns in Betracht kommen, stellen sich die zweifache Aufgabe, ihre Mitglieder körperlich zu heben und sie im Sinne eines bewussten, d. h. nationalen Judentums zu erziehen. Der erste Teil des Programmes, die körperliche Ausbildung, ist nicht Selbstzweck, sondern nur ein Mittel, um den zweiten Teil des Programmes besser erreichen zu können. Denn nach dem zu oft zitierten Satze vom gesunden Geist im gesunden Körper sollen uns die Turnvereine aufrechte Menschen liefern. Und solche werden sich niemals zu einer schimpflichen Selbsterniedrigung hergeben. Der Hauptzweck der jüdisch-nationalen Turnvereine ist die jüdisch-nationale Erziehung der Mitglieder., also ein kultureller Zweck, oder, wenn man das Wort lieber hört, ein politischer. Ihrer Tendenz nach unterscheiden sie sich also um kein Haar von den ersten Turnvereinen Vater Jahns. Auch Vater Jahns Turnvereine waren in erster Reihe politisch. Sie waren ein Hilfsmittel zur Erkämpfung der Freiheit und der Einheit Deutschlands. Die deutschen Turnvereine von heute aber haben eine hundertjährige Entwickelung hinter sich. Heute sind die Ideale, zu deren Erreichung sie gegründet wurden, längst verwirklicht. Und sie haben wacker dabei mitgeholfen' Ihre politische Tendenz aber haben sie heute naturgemäss zum grössten Teile verloren, wenn sie auch heute noch die Pflege deutsch - vaterländischer Gesinnung auf ihre Fahne geschrieben haben. Indessen überwiegt bei ihnen heute das Bestreben, die körperliche Ausbildung ihrer Mitglieder zu erzielen. Zum mindesten ist das bei den sogenannten paritätischen Turnvereinen der Fall. Denn, und damit komme ich auf das Thema meiner Abhandlung zurück, die Turnvereine, die es als einen Ausdruck deutschnationaler Gesinnung ansehen, sich möglichst judenrein zu halten, kommen für unsere Betrachtungen überhaupt nicht in Frage. Niemals kann ein anständiger Jude den Wunsch haben, sich in solche Vereine hineinzudrängen. Ganz anders steht es aber mit den paritätischen Vereinen. Dort wird der Jude häufig nicht nur geduldet, sondern auch als liebes Mitglied angesehen, da er eifrig auf den Turnboden kommt und mit seinem Herzen bei der Sache ist. In einer Stadt mit starker jüdischer Bevölkerung wird neben rabiat antisemitischen