Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 12 (12.1906)
- Date
- 1906-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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No. 12 205 Faktoren bewirkte Enthaltung von den Berufen, aus denen die leibliche Kraft eines Volkes sich ständig erneuert, -wie der einseitige Intellektualismus, dem unser Volk seit Jahrhunderten .obliegt, seine physische Kraft geschwächt haben. Dem soll gesteuert werden durch die ernste, turnerische Arbeit; dem Gott Lob noch immer so gesunden Geiste des jadischen Volkes soll ein gesunder Körper geschaffen werden. Das ist ein neuer Gedanke bei uns im Judentum. Ein neuer Stern ist aufgegangen "in Jakob mit dem Bar Kochba; denn ausser der Turnerei des Verstandes, für die seit Jahrhunderten der Talmud und seine Erklärer und Fortsetzer die Geräte abgeben, ist meines Wissens nur einmal bei uns Juden geturnt worden: in der Zeit der hellenistischen Assimilation vor dem Makkabäerkampfe. Das geschah zum Entsetzen der Frommen und dem Judentume zum Unheile. Heut turnen wir dem Judentume zum Heile und zum Segen! Dies aber nicht nur in körperlicher, sondern auch in seelischer, moralischer Hinsicht. Wir Jüdisch-Nationalen sind nicht blind gegen die Fehler unseres Volkes, und so wissen wir es nur allzugut, dass der Jahrhunderte Druck nicht nur unseren Rücken gekrümmt, sondern vielen unter uns auch die aufrechte geistige Haltung, die richtige Festigkeit im Auftreten, das wahre, ruhige Selbstbewusstsein gehindert oder geraubt hat. Auch dagegen ist die Turnerei ein vortreffliches Mittel. Körperliches Kraftbewusstsein setzt sich um ln mutiges, aufrechtes Selbstgefühl; jüdische Turnerei erzieht stolze, selbstbewusste Juden. Mit Freuden muss daher jeder Einsichtige, sofern er ein ernster Jude ist, dem an der Erhaltung des Judentums liegt, den Bar Kochba und seine Bestrebungen begrüssen. Ich sehe hier so manches graue Haupt in unserem Kreise; es mag mancher darunter sein, der unsere nationalen Anschauungen nicht teilt; aber ich glaube doch, es geht allen das Herz auf, wenn sie sich hier umschauen und in dem jungen Geschlecht ein neues Geschlecht erkennen; ein Geschlecht, das nicht feige und ängstlich sein Judentum verbirgt, sondern frei und freudig sich schmückt mit dem te»eren Judenzeichen, dem Mögen Dowid, das selbstbewusst und krafterfüllt mit freudiger Begeisterung bekennt: Wir sind Juden und wollen Juden bleiben trotz alledem und alledem bis ans Ende. Mit solchen Gefühlen begrüsse ich wenigstens den neuen ^tern, der aufgegangen ist in Jakob, aus ihnen heraus hielt ich es