Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 7 (7.1906)
- Date
- 1906-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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122 No. 7 Das „Hohe Reck" aber warf begütigend ein: „Lass den eitlen Schwätzer nur reden. Er ist verblendet, weil ihm jeder auf den Kopf springt. Wir wissen ganz gut, wie du es gemeint hast und können dich versichern, dass unsere Turner sich dadurch nichts weniger, als beleidigt fühlen, vielmehr sich stolz an die Brust schlagen und sagen würden: „Ja, ja, das sind wir von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit unserem ganzen Vermögen." Höhnisch wirft jetzt wieder der „Bock" dazwischen: „Ja Herz und Seele kostet nichts, fruchtet aber auch nichts, und Vermögen können sie leicht sagen, weil sie keines haben." Ein ernster, aber nicht böser Blick des „Hohen Reck" brachte den „Bock" zum Schweigen, wahrend ersteres, dessen Liebling der „Bock" seit jeher war, fortfuhr: „Lass dich, o Pferd, nicht durch seine Reden beirren Er ist nicht boshaft, nur mutwillig und meint es nicht so, wie er es sogt- Er ist ebenso wie wir, fest davon Uberzeugt, dass Herz und Seele die ersten Faktoren, gewissermassen die Prämissen sind, um ein einheitliches Band um unsere Mitglieder zu schlingen; dass aber Vermögen nicht minder notwendig ist, um ihnen Macht und Ansehen zu verschaffen, das ist leider nur zu richtig. Doch fahre fort mit deinen Beobachtungen." Ermutigt fuhr das „Pferd" fort: „Das ist es auch, was mir, trotz meines kurzen Hierseins auffiel, und mich teils freudig, teils schmerzlich berührte. Die Gesellschaft ist sehr unterschiedlich, sowohl in materieller als auch in geistiger Hinsicht." Brummend liess sich der „Bock" wieder vernehmen: „Ja geistig zuviel und materiell zu wenig gemischt." Das „Pferd" aber sprach unbeirrt weiter: „Erfreut hat es mich, well es zeigt, wie sehr alle von der Idee erfüllt sind, dass sie über die gesellschaftlichen Schranken hinwegsehen; schmerzlich berührt, dass sie, wie Kollege „Bock" vorhin bemerkt hat, materiell zu wenig gemischt sind, und sich die Mitglieder meist aus der wenig vermögenden Klasse rekrutieren. Wenn eine schönere Turnhalle gebaut würde, dann würden sicher viele Mitglieder, die jetzt noch in den „Deutschen Turnverein" gehen, hier eintreten. Derbe Ausprüche habe ich gar oft drüben zu hören bekommen. Und so würde auch Geld in die Bude kommen." Da Hessen sich alle, selbst die Matratzen, die träge am Boden lagen und sich nur selten am Gespräch beteiligten, wie aus einem Munde vernehmen: „Oh wie naiv denkst du doch! Das ist ja ein circulus vltiosus. Wenn die Turnhalle da wäre, wäre Geld da, doch nur wenn Geld da wäre, könnte die Turnhalle da sein. — Woher aber das Geld zur Turnhalle nehmen* So gescheit waren unsere Mitglieder schon lange. Seit drei Jahren bestem bereits ein Turnhallenbaufond, und fortwährend finden Veranstaltungen statt, deren Reingewinn ihm zugeschanzt wird. Aber die Sache lässt sich nlcm über den Haufen werfen. Man muss geduldig abwarten." „Abwarten, bis das, was da ist, auch nicht mehr da ist" bruromw der Bock. Die Barrenzwiilinge «ber, die Run seh jeher, wegen seiner '"J]1™;;'* Überlegenheit feindlich gesinnt waren, riefen spotlisch: „Soll der Bock ewe» Ausweg schaffen, wenn er alles zu bekritteln weiss "