Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 7 (7.1906)
- Date
- 1906-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4921092-5965100-5965245--1628-4924478- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 7 113 Bulgarien, Galizien, Russisch-Polen, dass die Kindersterblichkeit sogar eine etwas grössere ist als bei den Christen. Die Statistik der Sterblichkeit der unehelichen Kinder ergibt ein für die Juden ungünstiges Resultat; hier ist das Verhältnis der gestorbenen unehelichen Kinder 624 (J.): 590,2 (Chr.). Für das Alter Uber 15 Jahren ergibt sich dagegen in Preussen eine steigende grössere Sterberate der Juden; 1878/8211,82 pMll. (Chr). •. 10.13 pMll. (Jud.) 1888/92 11,09 (Chr.): 10,65 (Jud.); 1898/1902 10,11 (Chr.): 10,03 (Jud.). ' Ist sie in Budapest für dasselbe Alter noch immer etwas niedriger als die christliche, so ist die Differenz zwischen Juden und Christen eine erhebliich geringere als für das Kindesalter. In Galizien, -Bucovina und Bulgarien ist wiederum bei grösserer Kindersterblichkeit, eine erheblich geringere Sterberate in den höheren Altern zu verzeichnen. Die Fruchtbarkeit der Juden ist fast überall eine geringere als die der Christen, die Geburtenziffer der Juden des Ostens eine grössere z. T. recht erhebliche als die der Westjuden. Es kamen auf 1000 Personen lebend geborene Kinder in Land Juden Christen Preussen. . . . 19,48 36,27 Russland . . . . 31,20 51,72 Ungarn . . . . 33,81 39,34 Galizien . . . . 38,01 45,09 Bucovina. . . . 29,54 42,81 Böhmen . . . . 17,85 34,88 Niederösterreich . 20,51 32,10 Daneben lässt sich ein dauernder Rückgang der Geburtenziffer unter den Juden konstatieren. In Preussen von 35.46 pMll. (1822/40) auf 19,71 pMll. (!) (1888/02), in Ungarn von 35,5 pMll. (1896/1900) auf 32,8 pMll. (1901). In Amerika kamen auf jede eingewanderte Polin früher 5,63, jetzt nur 3,56 Kinder. Kann - man die Gründe, die Ruppin zur Erklärung dieser zum Teil ungeheuer geringen Fruchtbarkeit (Preussen) anlührt — spätere Ehen, weniger Eheschliessungen, praeventiver Geschlechtsverkehr, Geschlechtskrankheiten, — für die Juden des Westens zur Not gelten lassen, woher kommt aber die immerhin bemerkenswerte Geburtenziffer der Juden in Galizien, Bucovina etc. wo alle diese Gründe sicherlich wegfallen? Aus allen Statistiken geht aber einhellig hervor, dass die Sterberate der Juden Uberall und gerade unter den ungünstigsten sozialen und ökonomischen Verhältnissen eine geringere und zum Teil sehr erheblich geringere ist als die der Christen, wie folgende Tabelle zeigt: Christen Juden New-York (ärmster Bezirk) 1890: 34,48 o/«, 16,71 0/oo Preussen.........21,70 °/m 14,96 °loa Galizien.......... 28,48 «V«, 20,09%, Bayern.......... 28,80 o/«, 18,80 «V«, Wenden wir uns nun zu dem Krankheitenkomplex, der entscheidend jj,e ganze Frage beelnflusst, den Krankheiten des Nervensystems und im besonderen der Psyche. Soweit Statistiken darüber existieren, beteiligen sich die Juden an der Tabes (Rückenmarkschwindsucht), Epilepsie und Ederen organischen Nervenkrankheiten in sehr geringem Masse. Neu- Asthenie und Hysterie sind bei den Juden in erschreckendem Masse ver-