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Jüdische Turnzeitung · 1906-07-01 · 7 (7.1906) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
7 (1906)
Issue
7 (7.1906)
Date
1906-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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110 No. 7 man es sieht: das ist ein Körper. Und beeinflusst nicht dieses Bewusstsein, das jeden Turner in mehr oder minder starkem Masse erfüllt, die Strammheit, die Disziplin? Und dieses Gefühl lässt jedes Auflehnen gegen sie, jede Verletzung der turnerischen Selbstzucht scharfer hervortreten. Und das ist gut, Ihr Turner! Es hat einmal in der jüdischen Welt einen kleinen Sturm gegeben, in Wien und auch anderswo, als die jüdischen Studenten sich Bänder um die Brust legten und bunte Mützen aufs Haupt setzten. — Ganz wie die arischen Kommilitonen und doch anders, wie ja Uberhaupt wir alle — anders sind. Galten dem deutschen Burschenschafter Band und Kappe als ein Zeichen der Zugehörigkeit zu „seiner" Verbindung, so sind sie des jüdischen Studenten freudigstolzes Bekennen zum alten Volke. Und wie prachtig sie sich ausnehmen, die jungen Makkabäer. Mag der jüdische Philister in dumpfem Unverständnisse wettern über die Spielerei. Es steckt Mut in diesem „kolorierten" Bekenntnisse; das ist's, was uns an den jungen Kerlen gefallt. Sie haben ihre Fahne. Auch wir sollten die unsrige haben. Sie sei — wohlgemerkt — keine Standarte der Absonderung, nein, sie sei das Banner der Einigkeit, der jüdischen, das versteht sich. Und deshalb sage ich: legen wir unsere Tracht an. Wenn die Musterriege beim Schauturnen In ihrer Turnerkleidung auftritt, so ist das hübsch, es gefällt unseren Gasten; wenn aber alle Mitglieder eines Vereines in ihrer Tracht erscheinen bei eigenen Festen und Veranstaltungen sowie bei fremden (sagen wir allgemein jüdischen und zionistischen), eventuell auch bei Ausflügen, so mag dies vielleicht besagten Philistern unbegreiflich erscheinen und den „Individualitäten" ein Lächeln „ihrer" Überlegenheit entlocken; die anderen aber, die Freunde, die - jüdischen Juden werden sagen: Seht, da kommen u n ser e Turner- Und die Jungen hoffen: bald werd' ich auch so einer sein. Dann hiesse es aber: die Fahne in Ehren. Die Turnertracht darf nicht entweiht werden. — Wer sein Turnerkleid trägt, muss sich auch bewusst sein, dass er eine Verantwortlichkeit übernommen hat, deren Folgen nicht nur ihn allein treffen, und das hat er wohl zu bedenken. Doch wir fürchten nicht um unsere jüdische Turnerschaft. Und welche Tracht? Auch darüber soll noch gesprochen werden. Vorerst wäre es aber gut zu wissen, wie Ihr von der Sache denkt. Sind wir berechtigt, von einer Degeneration de« jüdischen Volkes zu sprechen? in. Nehmen wir als Massstab für die körperliche Entwicklung der jüdischen Männer im Alter von 20 Jahren die Tauglichkeit zum Militärdienst, wie es Herr Dr. Mühsam zu tun empfiehlt, und wie wir es von der Kiwi her für die Beurteilung des früheren Kräftezustandes unserer Patienten

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