Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 4 (4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 65 Aus der Jüdischen Turnerwelt. Fürth. Am 18. Mörz hielt hier in einer von der Zionistischen Ortsgruppe Nürnberg-Fürth veranstalteten Versammlung von jungen Männern Dr. G. Arndt (Erlangen; einen Vortrag über die sexuelle Frage in ihrer Bedeutung für das jüdische Volkstum. Der Vortragende schilderte das sexuelle Problem in seinen naturwissenschaftlichen Grundlagen, in seiner Praktischen Bedeutung für den Einzelnen, und zeigte die Schaden, die der Assimilationsprozess an unserem Volkskörper in den Grosstädten dem Beobachter und Statistiker schon jetzt deutlich erkennen lässt. Es gibt zwei Wege zur Gesundung: entweder Rückkehr zum strengen Religionsgesetz mit seinen umfassenden, präzisen volkshygienischen Bestimmungen, oder Einkehr zu einer Lebensführung, deren Grundzüge Wissenschaft und Ethik gemeinsam liefern. Der erste Weg führt Uber das Glaubensdogma, er ist grossen Massen unserer Jugend nicht mehr gangbar. Der zweite Weg führt über harte Willensanspannung, er ist für alle gangbar, die nach Veredelung ihrer Eigen- Persönlichkeit streben. Willenskraft lässt sich durch Uebung erziehen und stärken. Die jüdischen Turnvereine sind zu dieser Aufgabe hervorragend berufen. An den Vortrag schloss sich eine ausgedehnte Diskussion, die von dem ernsten Verständnis der meist aus jungen Kaufleuten zusammengesetzter» Versammlung zeugte. Die im Verlaufe der Diskussion vom Vortragenden ergangene Aufforderung, sogleich einen jüdischen Turnverein zu begründen, wurde befolgt, die herumgereichte Mitgliederliste bedeckte sich schnell mit 31 Namen, und man wählte einen fünfgliedrigen Ausschuss, mit dem Vorsitzenden der Zionistischen Ortsgruppe, Herrn Dr. Bloede, an der Spitze, dem die weitere Konstituierung des Vereins, Turnhallen- und Tunlehreranfeelegenheit zufiel. Am 27. März wurde in einem grossen Saale Fürths die konstituierende Generalversammlung des jungen Vereins öffentlich einberufen. Etwa 500 Personen füllten den Raum, die Vertreter der eingesessenen „liberalen", assimilierten jüdischen Bourgeoisie samt zugehöriger Jungmannschaft "a*te sich wohlassortiert ein Stelldichein gegeben, denn man hatte unser friedenstörendes Treiben gewittert und, wie es heisst, durch Zirkular zum Besuch unserer Versammlung aufgefordert. Wir selber konnten nur eine verschwindende Minorität bilden. Der Referent und Vorsitzende der Versammlung, Herr Dr. Bloede, legte in klugen und begeisternden Worter» d'e Grundzüge der jüdischen Turnbewegung dar. Kaum hatte er geendet, *° begann das wie programmössig sich abspielende Kesseltreiben. Man hatte sich einen christlichen Hauptvertreter der deutschen Turnerschaft ■^gebracht, dessen warmherziges, ehrliches Auftreten seltsam abstach von dem der zahlreich folgenden jüdischen Gegner, und es bedauern liess, dass ®r nicht besser über unsere Bewegung unterrichtet war. Die Angriffs- Inien unserer Gegner bewegten sich sämtlich in den ausgefahrenen Gemsen eigenbrödlerischer Kirchturmpolitik; ihr Anblick bot für uns Neues ur '"sofern, als hier weniger verhüllt als anderswo die klappernde Angst Vop dem Antisemitismus zu Markte getragen wurde, und das blanke Ge-