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Jüdische Turnzeitung · 1906-04-01 · 4 (4.1906) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
7 (1906)
Issue
4 (4.1906)
Date
1906-04-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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56 No. 4 2000 Jahren aufgehört hätte, zu existieren. Hatte dieser Herr von der ihm übersandten Einladung zum Schauturnen Gebrauch gemacht und nicht, wie die meisten seiner Kollegen im Gemeindevorstand und Repräsentantenkollegium, unsere Einladung ignoriert, vielleicht wäre ihm an jenem Abend die Erkenntnis gekommen, dass wohl kein religiöses Motiv die Veranlassung zu dieser Betätigung der Kraft und des Mutes ist, sondern dass unser altes jüdisches Volk junges Leben hervorgebracht hat. Doch wenn man sich auch in gewissen jüdischen Kreisen unserer Sache noch immer fern hält, in den weitesten Kreisen der jüdischen Bevölkerung Stettins haben wir uns Sympathieen erworben, und unsere Mitgliederzahl ist auf über 70 gestiegen. Der Wunsch, ein Schauturnen zu veranstalten, beseelte uns schon lange, und wir haben es dem Entgegenkommen des Vorstandes des „Bar Kochba" und der Unterstützung der „Jüdischen Turnerschaft", zu danken, dass wir diesen Wunsch nunmehr haben ausführen können. Die turnerischen Vorbereitungen leiteten in unserem Vereine die Herren Hammerstein und Michel, während der Turnwart der Jüdischen Turnerschaft und des „Bar-Kochba", Herr Dr. Blum, 2_u einer der Proben hierher gekommen war, um für die Einheitlichkeit bei der Vorbereitung Sorge zu tragen. Schon bei der Probe, die wir am Vormittag des Tages in der Halle abhielten, gewannen wir die Ueberzeugung, dass der Erfolg ein günstiger werden musste. Zu Mittag waren die Berliner Turnbrüder bei unseren Mitgliedern einquartiert, und als wir uns danach zu einem gemeinsamen Ausflug trafen, konnte man aus ihren Gesichtern schliessen, dass sie es bei ihren Wirten nicht allzu schlecht getroffen hatten. Unser gemeinsamer Ausflug ging zu Schiff nach Sommerlust, einem Vergnügungsort an der Oder, dort tranken wir, unter Gesang und Ansprachen, an rasch improvisierter gemeinsamer Tafel Kaffee. Dass bis zu unserer Rückkehr nach Stettin Freude und Humor den Herrscherstab schwangen, braucht wohl nicht erst erwähnt zu werden. Um 8 Uhr war das Schauturnen angesetzt, und ein zahlreiches Publikum hatte sich in der Halle eingefunden. Unter der Leitung des Herrn Dr. Blum vollzogen 50 Turner beider Vereine einen gelungenen Ein- und Aufmarsch, und, nachdem die Turner Aufstellung genommen hatten, ergriff der Schreiber dieser Zeilen das Wort, um in einer Ansprache den Wert des Turnens für die Juden hervorzuheben, und die Bedeutung der nationaljüdischen Idee zu betonen. Dann folgten Freiübungen, welche die Herren Katzky (Berlin) und Hammerstein (Stettin) vorturnten, Gerätübungen, Kürturnen und eine Musterriege des „ Bar -Kochba" am Reck, die das Publikum mehrmals zu grossem Beifall veranlasste. Zum Schluss fand ein Tauziehen statt, und mit Gesang verliessen dann die

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