Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1906-03-01 · 3 (3.1906) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
7 (1906)
Issue
3 (3.1906)
Date
1906-03-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4921092-5965100-5965240--1541-4924395
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

46 No. 3 Die Darbietungen hatten ein ausserordentlich zahlreiches Publikum angelockt, das mit seinem Beifall durchaus nicht kargte. Die Veranstaltung wuchs sich zu einem glänzenden Erfolge unserer Bemühungen aus. Am Sonntag, 23. Februar, hielt in einer vom nationaljüdischen Komitee einberufenen Versammlung Herr Dr. Z i r k e r einen Vortrag über die „Jüdische Turnerschaf t". Seine Ausführungen gipfelten hauptsächlich in der Klage über die Interesselosigkeit seitens der einzelnen jüdischen Turner und auch vieler auswärtiger Vereine. Hierin sei unbedingt ein Wandel notwendig. Am Dienstag, den 6. März, hatten wir Gelegenheit, unsere Idee in einer grosszügig vorbereiteten Volksversammlung der jüdischen Bevölkerung Berlins zum ersten Male zu entwickeln. Dr. Israel Auerbach behandelte das Thema: „Die körperliche Regeneration des jüdischen Volkes" in eingehender Weise. Sein Referat gipfelte in folgenden Sätzen: Es gibt einen individuell gearteten jüdischen Körper; der jüdische Körper ist krank und droht zu degenerieren. Die Ursache dieser Degeneration ist nicht selbstgewollte Fleiscbabtötung und krankhafte Betonung des Intellektuellen. Die alten Juden waren den Griechen nicht so unähnlich; auch ihr Ideal war Harmonie zwischen K ö r p e r und Geist. Beweis ist unsere ganze klassische Geschichte und unsere Bibel, in der kein einziger Gcistesheld zu finden ist, der zugleich ein Schwächling ge' wesen wäre. Jesus ist der erste alte Jude, dem der Körper nichts mehr is'' D i e F1 c i s c h a b t 0 t u n g i s t a 1 s o n u r c h r i s 11 i c h , n i c h t jüdisch. An uns haben die anderen die Fleischtötung geübt (Nordau). Ursache unserer physischen Minderwertigkeit ist lediglich die gewaltsame Unterdrückung. Unsere Degeneration kommt also nicht von innen, sondern von aussen. Deshalb, und weil ein Volk in jeder Generation neue Gesundungsmöglichkeiten besitzt, die dem Individuum versagt sind, ist eine Regeneration wohl möglich. Aber wie die W" zige Ursache des Uebels die Unterdrückung war, so ist das einzige Mittel zur völligen Gesundung Freiheit. Diese wird uns von selbst all* Palliativmitmittel geben: Licht, Luft, Bewegungsfreiheit und ökonomische Erleichterung. Solange aber die jüdische Freiheit nicht realisiett ist, sind Palliativ-Heilmittel notwendig. Als solche nehmen einen hervorragenden Platz ein: Spie1, Sport und Turnen. Aber Grundbedingung neben und über diesen istdicErweckungdesnationaljüdischenWillens zum Leben. Nationale Gesinnung und körperliche Betätigung müssen in Wechselwirkung stehen. — Zum Schlüsse entrollte der Referent ein Bild der bereits im Zuge begriffener. Regenerationsbewegung im jüdischen Volke im allgemeinen und unserer Turnbewegung im besonderen. Das letzte Wort galt einem lebhaften Apell besonders an die im Ausland lebenden jungen russischen Juden, sich als Lernende und zukünftig Lehrende der Turnbewegung anzuscblieisen, weil von der Organisierung der Turnerei ausserordentliche Regenerationsarbeit besonders im Osten zu leisten sei. An der sehr lebhaften Diskussion beteiligten sich vornehmlich Herr Dr H. Mühsam, Herr Kantor Blitz aus Dessau und Herr Dr. H- L o e w e. Alle drei wandten sich nicht gegen die Folgerungen und Forderungen des Referenten, sondern nur gegen seine Voraussetzung: die Feststellung des physischen Verfalls des gegenwärtigen jüdischen Volkskörpers Herr Dr. Mühsam unternahm an der Hand von Daten den Versuch einer wissenschaftlichen Widerlegung. Herr Blitz behauptete ohne solches Materlf'' nur von der gesunden Fülle seiner eigenen Körperlichkeit ausgehend, der Ju > auch der osteuropäische, sei vollständig gesund. Die Hoffnung auf Zion habe g nflgt, es gesund zu erhalten und werde es weiter tun, mehr als sämtliche Tu vereine es könnten. Herr Dr. Loewe fasste dss .Märchen" von der Degenera-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.