Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 3 (3.1906)
- Date
- 1906-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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39 nete, so doch halbängstlich umschrieb? So sehr verdünnen, dass sie unruchbar wurde, konnte er sie nicht; er konnte nur erreichen, dass man ihr geflissentlich eine konfessionelle Deutung anhing, um sie dann mit Hilfe ihrer eigenen Schwäche und Missverständlichkeit als „konfessionelle Friedenstörerin" umso gemächlicher totzuschlagen. Ein frisch-fröhliches Bekennen ihrer Eigenart, die gesagt oder gewollt, in einem blanken zukunftsfreudigen jüdischen Nationalismus gipfelte, wäre gesünder gewesen. Und schöner dazu! Dann wäre nicht ein jüdisches Etwas, das um Schonung und Förderung bitten ging, in der Versenkung verschwunden, sondern ein Teil der grossen nationalen Armee im rühmlichen Kampfe für seine hochwehende Fahne vor dem übermächtigen Gegner im Hinterhalt wie ein Krieger gefallen. Dr. Israel Auerbach. Ueber die Selbstwehr.*) Von A. R . . . ■ n. Der so unerwartet hereingebrochene Kischinewer Pogrom des Jahres 1903 zeigte im grellsten Lichte vor aller Welt die Stellung der russischen Regierung gegenüber der Juden, und rückte diesen zum ersten Male die Frage der Selbstverteidigung vor Augen. Kischinew war nur die erste schreckliche Wolke an dem ohnehin gewitterschwülen jüdischen Horizont. Die Organisiertheit, die greifbar deutlich diesem ersten Exzesse das Gepräge gab, war die Ankündigung eines neuen Kurses in der Politik der Regierung, eines Kurses, der — so fühlte man — nicht ablaufen würde ohne ähnliche oder vielleicht noch viel wildere Greuel von seiten der wahnsinnigen Handlanger des fallenden Regimes, die in den Höhen und Tiefen des russischen Volkes eine genügende Menge Materials zur Verwirklichung ihrer Pläne fanden. Kischinew traf die Juden unvorbereitet. Die überschwängüchste Fantasie der am allerpessimistischsten Gestimmten hatte sich nichts ähnliches vorstellen können. Darum hinterliess der Pogrom als Bodensatz das Gefühl einer tiefen Beleidigung nicht nur, sondern mehr noch der Schande, dass gegen die Exzesse von *l Wir bringen diesen instruktiven Arlikel aus der Feder eines intimen Kenners der einschlägigen russischen Verhaltnisse, um unseren Lesern eine möglichst authentische Darstellung des ebenso verwickelten wie interessanten nationayudischen Problems zu bieten.