Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 1/2 (1.1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1/2 31 Doch keine die andere zu beneiden. (Sie legt den Arm um Isaak) Jetzt darf ich wohl ruhig mit Stolz und Vertraun Auf dich und auf unsre Zukunft baun. Wo ein starker Arm und ein kraftvoller Mut, Hat sicher auch eine Frau es gut, Und wer sich selbst zu wehren weiss, Der gibt auch einmal die Frau nicht preis. Isaak Recht, recht! Und seit ich im Turnverein bin, Hab' immer ich doppelt fröhlichen Sinn, Denn war mir mein Judentum früher ein Gram, Das Turnen ihn mir vom Cemüte nahm. Und meines eignen Wertes mir bewusst, Schwellt mir ein hoher Stolz die Brust, Dass frei und froh ich rufen kann: Ich bin ein Jude, bin ein Mann. Bernhard Das ist es ja, was uns der Turnverein lehrt: Unser Judentum ist wohl noch etwas wert. Wenn wer von gebeugtem Rücken noch spricht, Nun wohl, wir Turner haben ihn nicht I Sind wir dabei, wird sich keiner erfrechen, von Mangel an jüdischem Mut zu sprechen. Und trieben einst in alter Zeit Unsre Vater die Feinde zu Paaren — Hedadl Auch wir sind immer bereit, Uns zum Kampf um die Fahne zu scharen ' Und treu zu streiten mit Cut und mit Blut, - teh bin ein Mann, denn ich bin ein JudI Frieda (die die ganze Zeit beiseite gestanden hat, leise) Ich einzig steh hier ganz aHein, (indem sie leise hinausgehen will) Die denken doch nur an ihren Verein. Rebekka (mit Laune) Wie, Frieda, willst schon zum Balle gehn, Um die bösen Turner turnen zu sehn? Frieda (kleinlaut) Ich möcht schon, wenn mein Schatz noch mag. Bernhard (sie umschlingend, froh) Komm her, das wird noch ein froher ,Tag. Frieda Nun darfst mir auch drum nicht böse sein, Ich meinte, ihr ginget nur in den Verein, Um einmal ohne Mädchen zu sein. (Alle lachen.) Isaak Nun hört, well es sich doch so schön hat gefügt, Dass jede Braut einen Turner kriegt, Müssen wir auch ganz turnerisch denken Und dem Vater reinen Wein einschenken. Bernhard Die Heimlichkeit passt mir schon lange nicht, Frei und ehrlich! Das ist des Turners Pflicht Rebekka 0 weh, der Vater wird niemals wollen, Dass Turner seine Töchter heiraten sollen.