Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 1/2 (1.1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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»8 No. 1/2 Vorbereitungen zu treffen, damit zum beginnenden Herbste der Turnbetrieb zu voller Entfaltung gelange. Ein geeigneter Turnlehrer musste gesucht werden und auch für die Erhöhung unserer knappen Mittel mussten wir Sorge tragen, indem wir die jüdischen Korporationen Prags und Böhmens auf unseren Verein aufmerksam machten, ihnen die Gründe seiner Entstehung und die Ziele seiner Tätigkeit klarlegten. Von Anfang an war es uns klar, dass wir das Hauptgewicht auf das Kinderturnen zu legen haben. Wir wollen ja ein kräftiges Judenvolk heranziehen, eine Generation mutigen Sinnes und starken Armes. Wir haben daher alles darangesetzt, eine reiche Beteiligung jüdischer Kinder an unserem Turnen zu erzielen, und dies ist uns auch wirklich gut gelungen. ' Neben dem Kinderturnen wurde selbstverständlich auch das Männer- und Damenturnen gepflegt; eine alte Herrenriege ins Leben zu rufen, ist uns allerdings bis heute noch nicht gelungen. Der gegenwärtige Stand des Vereines wird am besten durch statistische Angaben illustriert. Der Verein zählte am 31. Dezember 1905 : 5 gründende, 6 beitragende und 93 ordentliche Mitglieder. Geturnt wird in wöchentlich 12 Stunden, und zwar 2 Stunden Männerturnen und ebensoviel Damenturnen, ferner Knaben- und Mädchenturnen in je 2 Abteilungen zu je 2 Stunden. Mit den jüdischen Turnvereinen in Wien und Berlin sowie mit der Leitung der jüdischen Turnerschaft in Berlin stehen wir in freundschaftlichem Verkehr. Letztere beabsichtigt eine Obmännerkonferenz der jüdischen Turnvereine zu Ostern dieses Jahres bei uns in Prag abzuhalten, welchen Gedanken wir mit besonderer Freude begrüsst haben. Im Anschlüsse an diese Konferenz soll auch ein Schauturnen stattfinden, welches die jüdische Turnerschaft Deutschlands und Oesterreichs gemeinsam mit der unsrigen veranstalten wilL Es bleibt noch viel zu tun übrig, hoffen wir, dass es in den nächsten Jahren zur Ausführung gelangen wird. Graz. Jüdischer Turnverein. Der Pflicht der Vereinsvorstände, regelmässig der Turnzeitung zu berichten, komme ich diesmal um so freudiger nach, als ich manches Erfreuliche mitteilen kann. Seit unser Gründungsfesttag verrauscht ist, waren wir rege am inneren Ausbau des Vereines tätig. Statt unserer alten Riegenbücher nahmen wir die vom Verband herausgegebenen in Gebrauch. Eine Reisekasse wurde angelegt, die für Turnfahrten und repräsentative Zwecke dienen soll. Der Ertrag unseres Gründungsfestes versetzte uns in die angenehme Lage, unseren Gerätestand erheblich zu vermehren. Da der Verband die Unfallversicherung aller seiner Vereine durchzuführen abgelehnt hat, wählten wir ein Komitee, bestehend aus den Herren Müller, Freudmann, Bodanzky, welches der Frage der Unfallversicherung näher treten und nach eingeholter Information der Hauptversammlung darüber referieren soll. Das von der Geschäftsstelle der „JUd. Tztg." zu beziehende „Vereinslied e r b u c h" ist bei uns obligatorisch eingeführt worden und das Singen, besonders das jüdische Lied, wird eifrig gepflegt. Unsere Sänger beteiligten sich am Festchore derMakkabäerfeier, welche von der zionistischen