Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 1/2 (1.1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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2 So. i/2. Nationale Gesinnung der Tat. Ein Nachwort zur Brüsseler Konferenz. Von Dr. Israel Auerbach. Der Worte sind genuggewechselt. Die flammende Entrüstung hat sich Luft gemacht, die Augenblickshilfe zur Linderung der ersten schrecklichsten Wunden ist nach Menschenkräften geleistet worden. Aber nun mag es keinen Juden geben, der das wärmende Gefühl in sich verspürte, es sei für die russischen Brüder genug geschehen. Die in der Demonstrations- und Hilfsbewegung an der Spitze standen, haben es ja selber der ganzen Welt verkündet, dass das Furchtbare sich jeden Augenblick wiederholen kann, ohne dass abzusehen wäre, wie es verhindern. Dem Trompetengeschmettcr der grossen Worte, dem Klimpern der Almosentaschc müssen also unbedingt nun Taten folgen. Die Wohltätigkeit, so sehr sie erste Pflicht und so ruhmvoll sie war, hat sich selber als bankrott erklärt. Sie konnte nur nach der Katastrophe hinterdrein, konnte nur diesem oder jenem Einzelnen und allen nur höchst unzulänglich helfen. Eine Tat für die Millionen unserer Juden, für deren Zukunft und von radikaler Wirkung, konnte und wollte sie nicht sein und war sie nicht. Eine solche, wenn sie überhaupt existiert, wird das gesamte jüdische Volk auszudenken und auszuführen haben. Das Volk wird, wenn überhaupt, nur sich selbst durch sich selbst helfen können. Der Einzelne ist machtlos, wenn nicht die Gesamtheit hinter ihm steht, und diese Gesamtheit wird nur bestehen, wenn jeder Einzelne sich zu ihr bekennt. So führt wieder einmal die Notwendigkeit des Augenblicks die ewige Geltung des nationaljüdischen Prinzips vor Augen- In dieser Erkenntnis und zu ihr hatte wieder einmal diejenige jüdische Partei, die von jeher die nationale Farbe in ihrem Banner hatte, die zionistische, die jüdische Welt in ihrer Gesamtheit aufgerufen. Dieselbe Partei, der wir, die jüdische Turnbewegung, unser Dasein verdanken. Die Vertreter aller Juden waren nach Brüssel eingeladen. Es verstand sich von selbst, dass wir die Ersten waren, die diesem Rufe folgen mussten, denn der nationale Gedanke ist unser Leben. Aber auch viele andere Körperschaften der Juden, selbst solche schwacher nationaler Observanz, wallten mit uns nach Brüssel. Nur die Ica und die Alliance blieben fern. Und so durfte man fast vermuten,dass der Gedanke einer allgemein-jüdischen Politik,