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Jüdische Turnzeitung · 1905-12-01 · 12 (12.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
12 (12.1905)
Date
1905-12-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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No. 12 227 sammeln, nicht dem gesamten Volke Kraft und Gesundheit wiedergeben können, aber ein fortwirkendes Interesse an den Fragen der körperlichen Hebung unseres Volkes wecken wir in den weitesten Kreisen. In uns allen aber, die wir uns in den jüdischen Turnvereinen zusammenfinden, wächst das Gefühl unsererer Zusammengehörigkeit, das uns Rückhalt und Festigkeit verleiht, und der Wille zur Erhaltung unseres Volkes, der uns ein grosses Lebensideal gewährt. Es ist aber notwendig, dass das grosse Ideal über die tägliche kleine Vereinsarbeit nicht aus den Augen gelassen wird, sonst verlieren die Turnvereine ihre Bedeutung und die Fähigkeit weiterzuwirken und gehen in lächerlicher Vereinsmeierei auf, die gleichzeitig komisch und traurig wirkt, wenn dabei fortdauernd die grosse Pauke der nationalen Idee geschlagen wird. Diese Gefahr kann nur dadurch vermieden werden, dass sich in den Einzelnen mit der Erweckung des Nationalbewusstseins eine Ver- 'iefung der ganzen Lebensauffassung verbindet. Es handelt sich nicht nur darum, dass Juden zusammenkommen und sich wohl fühlen, weil sie untereinander sind und ihnen kein „Juden raus" droht. Solche Sammelpunkte hat es auch schon vor uns gegeben, und um noch mehr derselben Art zu schaffen, bedarf es nicht des Aufwandes nationaler Begeisterung, der durch unsere Bewegung gehen soll. Eine Erneuerung unseres Volkes ist von nöten, und die Turnvereine sollen mit dazu beitragen, die innere Umwandlung zu vollziehen. In den jüdischen Turnvereinen muss ein frischer, schneidiger Zug herrschen, ein neuer Geist muss sie durchwehen, der verschieden ist von der „Gemütlichkeit" oder der vornehmtuenden Geistreichelei mancher anderen jüdischen Vereine. Sie sollen den Aussenstehenden zeigen, dass sie die Brennpunkte eines höheren geistigen Strebens und einer edlen Geselligkeit sind. Dann werden die Vereine geeignet sein, gerade die ernst Strebenden und Ehrlichen unter den Fernstehenden und unter den Gegnern zu uns herüberzuziehen, weil sie sie zwingen, die sichtbarwerdende körperliche und geistige Gesundung anzuerkennen. Man kann aus manchen Symptomen erkennen, dass dieser Geist das Vereinsleben nicht überall in wünschenswerter Schärfe durchdringt. Unsere Vereine können nun zur Erreichung dieses

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