Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 11 (11.1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 11 211 Wir wollen daher Herrn Scholem auch an dieser Stelle nochmals herzlich für die Dienste danken, die er unserer Sache hier erwiesen hat, und können unseren Brudervereinen nur empfehlen, nicht mit der Idee im Hintergrunde zu bleiben, sondern sie frei vor der Öffentlichkeit zu vertreten, denn sie kann vor ihr bestehen. E. Freyer. Graz. Jüdischer Turnverein. Zum eratenmale seit einjährigem Bestehen trat heuer der jüdische Turnverein mit einer Gründungsfeier vor die Öffentlichkeit. Nicht unter den günstigsten Auspicien geschahen die Vorbereitungen zum Feste, hatten doch angstliche Naturen vor einem Angriff der deutschen Turnerschaft gewarnt und gewisse „Auchjuden" es nicht an wählender Gegenarbeit fehlen lassen. Umsomehr freut es uns, dass alle .liebevollen' Bemühungen, "owie das Bestreben der deutschen Turnvereine, uns das Lokal abzutreiben, fruchtlos geblieben sind und unsere Gründungsfeier zu einer imposanten Demonstration fQr die jadische Sache wurde. Es dürfte wohl eine der grOssten jüdischen Veranstaltungen, die Graz bisher gesehen hat, gewesen sein. An 450 Gaste waren "schienen und viele Besucher mussten infolge Platzmangels umkehren. Obmann Med. Siegm. Leicht begrüsste die Festversammlung, darunter Landesoberrabbiner Dr. Samuel Mühsam, mehrere Kultusrate, den Obmann de» Vereins „Zion" u. a. m. Darauf ergriff Mtgl. Dr. Hugo Deutsch das Wort zur Festrede, die mit stürmischen Hedadrufen aufgenommen wurde. Es folgte die Absolvierung des sehr reichhaltigen Festprogramms. Die Singerriege des Turnvereins trug den vom Mtgl. med. Fritz Lang einstudierten Bundeschor vor. Frl. M- Markus brachte einen Klaviervortrag, Herr Oberkantor Paul Horn, der Liebling des Grazer jüdischen Publikums, kunstvolle Gesänge zu Gehör. Den Gipfelpunkt des Beifalls erreichte die Vorführung einer Musterriege am Barren, <^>e allgemeines Interresse erweckte und am besten bewies, dass unsere Tätigkeit seit Jahresfrist von Erfolg gekrönt war. Drei flott ausgeführte Pyramiden beschlossen das.Turnen. In der Pause sorgte ein Glflckshafen, dessen Gewinste von Mtgl. und teilweise auch von den Damen des jüdischen Frauenvereins gespendet waren, fQr heitere Abwechslung. Den Abschluss bildeten humoristische Vorträge und e'n Einakter, um dessen Aufführung sich die Mitglieder der Damenabteilung, Fr). lrm« und Elsa Preis, sowie Irma Leicht, ferner die Herren A. Bergofen, Med, Fritz Lang, R. Neurath und besonders Herr jur. Ludw. Fuchs verdient m»chten. Der Erfolg des Festes zeigte sich, abgesehen vom finanziellen Gewinn — e* konnten dem Fond zum Bau eines jüdischen Armenasyls sowie der Vereins- ■atse angemessene Beträge zugewiesen werden — durch zahlreiche neue Beitritte. Wir konnten auch zur Gründung einer „Alten-Herrenriege" schreiten, di« bereits 14 tätige Mitglieder zählt. —z. Graz. Der jüdische Turnverein zu Graz dankt allen lieben Brudervereinen, die uns anlasslich unseres ersten Gründungsfestes am 22. Okt. d. J. Begrüssungstelegramme und -Schreiben gesandt haben, aufs herzlichste für die freundliche Anteilnahme. Der Turnrat.