Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 11 (11.1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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210 No. 11 Veranstaltungen immer unsere grösste Einnahme bildet. Hoffentlich finden sich viele Nachahmer.*) Stettin. Jüdischer Turnverein. Unser langgehegter Wunsch, mit unserer Idee in die grössere Öffentlichkeit zu treten, ist in Erfüllung gegangen, dank der Bereitwilligkeit, mit der sich Herr Theobald Scholem uns zu einem Agitationsvortrag zur Verfügung stellte. Es ist ja gerade ein Vorzug nationaljüdischer Turnvereine, dass wir unsere Tendenz mit viel grösserem Erfolge vertreten können, als die nicht nationaljüdischen die ihre. Denn wir haben uns nicht zusammengeschlossen, weil etwa in deutseben Turnvereinen Antisemitisimus herrscht, sondern weil wir unser Volk körperlich und geistig stärken und beleben wollen; ein Ziel, das sich nur in der „Jüdischen Turnerschaft" erreichen lässt. Freudig hatten wir die Vorarbeiten zu der Versammlung geleistet. Sämtliche Gemeindemitglieder waren mittels Postkarte eingeladen, in die Tageszeitungen hatten wir grössere Annoncen gesetzt. Die Kosten hierzu hatten wir durch einen „Garantiefond" aufgebracht, zu dem, wie wir hervorheben wollen, sämtliche jüngeren Mitglieder unseres Vereins Beiträge gestiftet hatten. Am Donnerstag, den 26. Oktober fand die Versammlung statt. Es hatten sich etwa 130 Personen eingefunden; die Leitung hatte Herr stud. jur. Greifenhagen übernommen, der die Erschienenen im Namen des Vereins begrüsste. Sodann hielt Herr Scholem eine in Form und Inhalt mustergiltige Agitationsrede, in der er „die Aufgaben jüdischer Turnvereine" klarlegte. Der Inhalt seiner Rede wurde von einem Teil der Stettiner Presse wiedergegeben. Der Beifall, der den Ausführungen des Redners folgte, bewies, dass seine Rede gewirkt hatte, und alsbald meldeten sich eine Anzahl Herren und Damen zum Eintritt in den Verein. In der Diskussion, in der unsere Idee von Anhängern der verschiedensten politischen Parteien bekämpft wurde, trat besonder9 Herr Götze jun. warm für unseren Verein ein, und Herr Scholem konnte durch sein mit woltuender Ruhe und Sachlichkeit gehaltenes Schlusswort bald die Wirkungen der Gegner zerstören. Das Interesse für unsere Sache ist hier gewachsen, der Turnbesuch hat zugenommen, und wir erhalten noch jetzt Neuanmeldungen zum Eintritt. *) Wir empfehlen dieses Beispiel unseren Brudervereinen tur Nachachtung, hoffen aber, dass aberall der ernste Charakter einer solchen Veranstaltung gewahrt wird. Wir wollen nicht auf den Gräbern unserer Bruder tanzen. Die Red.