Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 10 (10.1905)
- Date
- 1905-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10 197 bekämpfen. Ja selbst einen stolzen, anonymen deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens hatten sie auf ihrer Seite, der sich dazu hergab, die Bekämpfung des jüdischen Turnvereins durch einen Artikel im Sprechsaal der „Königsberger Hartungschen Zeitung" in die weite Öffentlichkeit zu bringen. Sprechsaal der K. H. Ztg. Wir erhalten folgende Zuschrift: Wie ich von zuverlässiger Seite höre, beabsichtigen Mitglieder der hiesigen zionistischen Vereinigung einen jüdischen Turnverein hierselbst zu gründen. Wenn as schon bedauerlich ist, dass hierselbst ein Verein jüdischer Studenten besteht, so ist dies doch aus dem Umstände erklärlich, dass studentische Burschenschaften und Landsmannnschaften und andere Akademische Verbindungen Juden prinzipiell von ihren Verbindungen ausschiiessen und somit die Bildung des Vereins jüdischer Studenten als ein Akt der Notwehr erschien. Anders verhielte es sich mit einem jüdischen Turnverein; es müsste dies geradezu als eine Provokation des Antisemitismus erscheinen, de die beiden hiesigen Turnvereine Juden zu Mitgliedern haben und nicht bekannt geworden ist, dass jemals die Aufnahme eines um seiner Konfession willen beanstandet worden ist. Ja, noch mehr, der verstorbene Stadtrat Michaelly gehörte zu den Begründern des Mannerturnvereins hierselbst; dem verstorbenen Sadtverordneten Isidor Friedmann setzte der Mannerturnverein als seinem langjährigen Vorstandsmitgliede einen Gedenkstein auf dem alten jüdischen Begräbnisplatze hierselbst. Stellvertretender Ordner des Männerturnvereins ist z. Zt. Stadtradt a. D. Adamsohn. Dem gegenüber wäre es wahrhaft frivol, aus jenen Absonderungsgelüsten einen konfessionellen Verein ins Leben zu rufen. Die Bürgerschaft Königsbergs hat bisher keinen Unterschied zwischen Christen und Juden gemacht, und es scheint daher die dringende Mahnung gerechtfertigt, von solch törichtem Beginnen Abstand zu nehmen. Ein deutscher Staatsbürger jüdischen Claubens. Wir können uns dem Standpunkte des Einsenders dieser Notiz nur vollinhaltlich anschliessen und sind überzeugt, dass diese Anschauung auch von den massgebenden Stellen der jüdischen Gemeinde vertreten wird. D. Red. Für den Leser der jüdischen Turnzeitung sprechen wohl die Zeilen deutlich genug. Wir haben den Sieg davon getragen und die Herren werden hoffentlich einsehen, dass die Jugend es mit jüdischen Dingen viel ernster nimmt, als es die Alten bis jetzt getan haben. Doch nicht für alle Mitglieder des Turnvereins war der Sieg ein vollständiger. Die Minorität des Vereins, die national- Jüdisch gesonnen ist, musste auf die Betonung des nationalen Moments verzichten. Der Verein ist nämlich nicht nationaljüdisch. P*e nationaljüdischen Turner freuten sich aber, dass endlich die Jüdische Turnsache bei der Königsberger Judenschaft Anklang geunden hat, und überlassen es der Zukunft, ob der Verein national-