Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 9 (9.1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3üdifche Cumzeitung. nionatsidirltt für die körperliche Bebung der Süden Herausgegeben pon der tödlichen Cumeriäiaft. gahrg. IIo. ei.QTiottenbJSfaüeibniz»r. äs. " September 1905 Nachdruck der nachfolgenden OririnaUafiltee »t nur mit icDuar Qnellenangabe geatattet Herzl. Von Dr. B. Täubler.*) Ein Jahresring schloss sich um ein Grab; aber unsere Trauer 'st frisch wie am ersten Tage. Als wir den zur Ruhe legten, der uns das meiste war, weil er unserem Sehnen und Hoffen das meiste Sab, klagten wir mehr um uns als um ihn. Dem dunklen Geschick, Welches uns mit harter Faust umklammert, war der beste Mann erlegen. Ein müder Mann. Er war einst ausgezogen, Sonne und °nd Kraft im Blick und im Herzen, den bunten Gärten seiner ersten Träume entgegen — aber bevor noch die Sonne im Mittag stand, sank er dahin; und war doch ein anderer geworden, als am frühen Morgen, und sein Ziel ein anderes, als der Traum seiner Jugend, und vor der Zeit der Jüngling zum Manne, und der Mann zum Greis. Das deutsche Märchen und das deutsche Lied hatten an seiner Wiege gestanden, und die Sehnsucht, ein deutscher Dichter zu Werden, erfüllte bereits das Kind. Und die Zeit brachte die Frucht. Schon im Studenten wurde die Tiefe der Persönlichkeit und die Überlegenheit des Geistes allen fühlbar. Auch die Eigenart seines dichterischen Schaffens offenbarte sich rasch und reifte zeitig zu einem in seiner Art einzigen Werke, den im Palais Bourbon zusammengefassten Scenen aus dem französischen Parlament. Der Sanze Herzl liegt darin; für den, der den späteren Herzl kennt, "lehr als der Dichter. In klarem, durchsichtigem Aufbau einen sich die scharfgezeichneten Linien zum Ganzen, hier in elegantem, bisweilen kokettem Spiel dem Stoffe sich anpassend, dort hart abbrechend wie der Stumpf eines Torsos. Weich und schmeichelnd lm -Ausdruck hält uns das wechselnde Spiel durch den prickelnden *) Rede zur Gedenkfeier des „Bar Kochba"-Berl!n am 26. Juli 1905.