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Jüdische Turnzeitung · 1905-08-01 · 8 (8.1905) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
8 (8.1905)
Date
1905-08-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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160 No. 8 Berühmtheit wir nach einstündiger, lustiger Bahnfahrt allerdings recht wenig merkten, obwohl unsere feenhafte Illumination, bestehend aus einem vom Zahn der Zeit schon sehr abgenagten Papierlampion und einem um seine Existenz ringenden Lichtstumpf, selbst das Tabakskollegium des Soldatenkönigs hätte entdecken müssen. Voran die beiden Fackeitrager, ging's hinaus in das Dunkel der Nacht. Ein starkes Wetterleuchten, das den Naturschwörmer auf seine Kosten kommen, den Skeptiker jedoch nichts Gutes ahnen Hess, gab der Landschaft einen eigenartigen Zauber und ein schöner Anblick war es, wenn der Horizont jäh zerrissen und ein See, ein Höhenzug oder ein Gehölz durch blendende Reflexe sekundenlang dem Auge freigelegt wurde. Mit festem Tritt wanderten wir dem Morgen entgegen und glänzende Beweise von der Leistungsfähigkeit jüdischer Kehlen lieferten wir dem markischen Bauer. Keinen Beifall ernteten wir freilich damit bei dem ehrsamen Nachtwächter des Ortes Bindow, der uns, mit prächtigen Requisiten aus „Wallensteins Lager" bewaffnet, erhobenen Spiesses entgegentrat, als einige Schlafaspiranten vergeblich einen harmonischen Wirbel an der Tür des Dorfkruges trommelten. Da das „Auge des Gesetzes" für unsere friedlichen Absichten blind war, strebten wir mit doppeltem Eifer dem nächsten Dorfe zu. Kaum aber hatten wir den Schutz der Häuser verlassen und das freie Feld erreicht, als das schon lange erwartete Gewitter zum Ausbruch kam und uns die Schleusen des Himmels einen so heftigen Platzregen spendeten, dass wir es bald nicht mehr nötig hatten, unter den von Vorsichtigen mitgeschleppten Schirmen Rettung zu suchen: nässer konnten wir nicht mehr werden! Als der Morgen graute, zogen wir in Friedersdorf ein und ein Dutzend kräftiger Fäuste donnerten gegen die Fensterladen des nächsten Wirtshauses, das uns nach bangem Warten freundliche Aufnahme bot. Wir wollen des liebenswürdigen Wirtes, Herrn C Solf, an dieser Stelle gern gedenken- Morgenrot, Sonnenaufgang, von denen wir schon so viel Rühmliches gehört hatten und die wir gar zu gern einmal aus eigener Anschauung kennen gelernt hätten, waren so zu Wasser geworden, und nur einige Waghalsige, die sich hinaustrauten, um an der Dorfpumpe ein Fussbad zu nehmen und im Kuhstall ein Glas Milch zu trinken, bemerkten, wie die Sonnenstrahlen schüchtern durch die Wolken brachen und einen schönen Tag verhiessen- Um 6 Uhr setzten wir mit dem Liede „Des Sonntags in der Morgenstund' unsere Wanderung fort. Die Sonne bekundete bald ihr Einsehen, indem sie uns für die in der Nacht erlittene Unbill reichlich entschädigte, und unter italienischem Himmel hielten wir unseren Einmarsch in die alte Cisterzlenserstadt Storkow. Da es dort ausser einer Burgruine, etzlichen Kneipen und Hühnern auf dem Markte, sowie dem Storch am Rathause nichts zu sehen gab, erhoben wir uns bald von der Frühstückstafel und wandten uns unserem nächsten Ziele, dem Scharmützelsee, zu. Nach dreistündigem Marsch durch herrlichen Forst, der die beiden Kolziger Seen malerisch umsäumt, erreichten wir die „Pechhütte" und nahmen im Scharmützelsee ein erfrischendes Bad, wobei wir die Erfahrung machten, dass das Wasser zwar keine Balken, aber doch Schlingpflanzen hat. Inzwischen zeigte der Magen die wichtigste Stunde des Tages an und freudig begrüssten wir die winkende Mittagsrast Im „Restaurant zur Pechhütte"-

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