Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 5/6 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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124 Xo. 5/6 J.-No. 142/05. Berlin, den 25. Mai 1905. An die Jüdische Turnerschaft von 1902 zu Hamburg. In den letzten Wochen brachte eine Reihe deutscher und jüdischer Blätter eine Erklärung Ihres Vereins, durch welche sich derselbe, ohne jeden ersichtlichen Anlaß, in eine Zeitungsfehde einmischte, die von mehreren Zeitungen, insbesondere der Kölnischen Zeitung, gegen die „jüdische Turnerschaft" unternommen, und in der vordem von keiner Seite Ihrer Vereinigung Erwähnung getan worden war. In dieser Ihrer Erklärung, die überdies mehrere tatsächliche Unrichtigkeiten enthält, hat Ihr Verein gegen die „Jüdische Turnerschaft" offen Stellung genommen und unseren Verband in der öffentlichen Meinung herabzusetzen versucht. Obwohl Ihnen bereits seit mehreren Jahren die Richtung unserer Bestrebungen bekannt war (denn die Grundsätze der „Jüdischen Turnerschaft" wie diejenigen der zu ihr gehörigen Vereine sind in der „Jüdischen Turnzeitung" wiederholt in unzweideutiger Weise erörtert, die der „Jüdischen Turnerschaft" auch wörtlich abgedruckt worden und bis heute unverändert geblieben), haben Sie bisher niemals Anlaß genommen, gegen uns aufzutreten, geschweige in einer so brüsken Weise vor der Oeffentlichkeit. Im Gegenteil: trotzdem Sie unsere Tendenzen genau kannten, haben Sie mit uns und, vor Errichtung unseres Verbandes, mit den gleichgesinnten Gründervereinen ständig freundliche Beziehungen gepflegt, korrespondiert, unsere „Jüdische Turnzeitung", die Sie in einer größeren Anzahl von Exemplaren als Vereinsblatt bezogen haben und noch heute beziehen, zur Veröffentlichung Ihrer Berichte und Ankündigungen benutzt, den Rat unserer leitenden Persönlichkeiten eingeholt usw. usw. Nach alledem durften wir Sie trotz Ihrer Nichtzugehörigkeit zu unserem Verbände als einen zur jüdischen Turnbewegung zählenden Turnverein betrachten, jedenfalls aber durften wir darauf rechnen, daß jetzt, nachdem ein großer Teil der deutschen Presse, in gänzlicher Verkennung unserer Bestrebungen, uns angegriffen hat, Ihr Verein sich nicht beeilen würde, in einer so perfiden Art und Weise uns sozusagen einen Knüttel zwischen die Beine zu werfen. . Der „Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft" hat daher, mit Rücksicht auf Ihr, eines jüdischen Turnvereins unwürdiges Verhalten, einstimmig beschlossen, Ihren Verein nicht mehr als zu der jüdische» Turnbewegung gehörig zu betrachten und jedwede Gemeinschaft mit Ihnen zu lösen. Der Ausschuß der „Jüdischen Turnerschaft" Theobald Scholem, Vorsitzender. Dr. jur Max Zirker, Schriftführer, Gharlottenburg, Goethestr. 14.