Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 5/6 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5/6 109 veranlaßt sie, das zu tun. Der Ausschuß sucht darauf Vertrauensleute in den betreffenden Plätzen zu eruieren, die eventuell bereit sind, die Vorarbeiten, Lokalbeschaffung, Ankündigung usw. zu besorgen. Er veranlaßt den unternehmenden Verein, sich mit den Vertrauensleuten in Verbindung zu setzen und mit ihnen das Nähere zu vereinbaren. Die Vereine müssen verpflichtet sein, von allen Schritten, die sie unternehmen, dem Bureau Mitteilung zu machen. Am meisten empfiehlt sich m. E. als erste Veranstaltung ein Vortrag, und zwar ein öffentlicher Vortrag, der durch Plakate, Flugblätter usw. so auffällig wie möglich anzukündigen ist. Wirksam ist auch ein sich an den Vortrag anschließendes Schauturnen des agitierenden Vereins, nur ist die Veranstaltung etwas kostspielig. An jeden Vortrag soll sich eine Diskussion knüpfen. Nichts wirkt agitierender als eine gute Debatte. Es muß Vorsorge getroffen sein, daß sich schon vor dem Vortrag eine kleine Gruppe gebildet hat, die bereit ist, für den neuen Verein zu arbeiten; ihr ist dann die Gründungsarbeit zu übertragen. Unter allen Umständen muß darauf geachtet werden, daß eine einmal eingeleitete Agitation nicht verpufft. Es ist Sache des Ausschusses, sich über die Erfolge der Agitation zu unterrichten und dem neuen Verein . fortwährend mit Rat und Tat an die Seite zu gehen. Auch der Mutterverein muß in dauernder Fühlung mit seinem Kinde bleiben; gemeinsame Veranstaltungen, Ausflüge, gegenseitige Besuche, Austausch von Rednern usw. nutzen beiden Vereinen. Der neue Verein übernimmt wiederum Agitationspflichten, doch sollte darauf geachtet werden, daß schwache Vereine sich nicht überanstrengen. Es läßt sich selbstverständlich auch ein anderer Weg denken, "ur Eines sollte allen Versuchen gemeinsam sein: daß sie nämlich so öffentlich als möglich unternommen werden. Je mehr von den jüdischen Turn-Vereinen und der jüdischen Turnerschaft gesprochen wird, um so mehr Leute werden darauf aufmerksam. Auch Preß- Polerniken sind nicht zu scheuen; sie geben uns Gelegenheit, zu antworten und wirken gewöhnlich wie eine Annonce, nur brauchen sie nicht bezahlt zu werden. Und ein anderes ist noch, was immer beachtet werden muß: daß nämlich der nationale Standpunkt so scharf wie möglich betont wird. Wir können gar keinen größeren fehler manchen, als in übertriebenem Opportunismus über diesen Punkt quasi schonend hinwegzugehen versuchen. Unsere nationale Stellungnahme allein gibt uns die Existenzberechtigung und je schärfer sie angegriffen wird, um so besser für den Verein; er wird gehauen und haut wieder, so ergibt sich der fröhliche Kampf, der zum mindestens zum Zuschauen, allmählich auch zum Teilnehmen verlockt. Daß die neuen Vereine sofort der Jüdischen Turnerschaft beitreten müssen, ist so selbstverständlich, daß es nicht besonders erwähnt 211 werden braucht. Nun wird man natürlich nach den Kosten fragen. Ich kann darüber nichts sagen, weil zurzeit der Abfassung dieses Referats