Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1905-05-01 · 5/6 (5.1905) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
5/6 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4921092-5965098-5965224--1309-4924173
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 5/6 96 extenso nicht zu. Wir behalten uns eine Veröffentlichung des Vortrages hiermit ausdrücklich vor. Ueberdies erhält der Leser aus der eingehenden, häufig recht lebhaften und sachkundigen Diskussion ein Bild von der Mannigfaltigkeit der Fragen, die der Redner berührt hat. Einigkeit tritt vornehmlich hinsichtlich der Auffassung von dem besonderen Werte der Freiübungen zutage. In der Debatte kamen folgende Hauptgesichtspunkte zur Sprache: a) Ob die turnerische Leitung von Frauenabteilungen Männern anvertraut werden, b) ob das Spielen (im Gegensatz zu den Hallenspielen) im, Freien stattfinden solle, c) in welcher Weise die Errichtung besonderer Ruderriegen, Fußball-, Radfahrklubs usw. durch unsere Turnvereine auf letztere einwirke. Del. Scholem, der Turnwart der „Jüdischen Turnerschaft", bek2nnt sich im wesentlichen zu den vom Del. Po11 ak vorgetragenen turnerischen Anschauungen. Im einzelnen führt Del. Scholem aus, daß Frei-, Ordnungs- und Marschübungen, hauptsächlich aber Freiübungen, die er als den „Kern des Vereinsturnens" bezeichnet, besonders gepflegt werden müßten. Auch hätten die Turnwarte darauf ihr Augenmerk zu richten, daß ihre Abteilungen das richtige Maß des Marsches haben. Betreffs der zu a) genannten Frage vertritt er den Standpunkt, daß Männer eine größere Eignung zur Leitung von Frauenabteilungen haben als Frauen. Dieser Meinung pflichten die Del. P o 11 a k und Meyer bei, während Frl. Eger und Graupe es vorziehen, in den Frauenabteilungen eine weibliche Kraft leiten zu lassen. Del. Dr. Tuch vermißt in dem Referat Angaben darüber, inwieweit Rasenspiele und dergleichen mehr betrieben werden sollen, da gerade für unsere Turnvereine dieses wichtiger als das Hallenturnen sei. Es sollten möglichst viele Ausflüge und Rasenspiele veranstaltet werden, denn es lägen für uns ganz andere Verhältnisse vor als in der „Deutschen Turnerschaft". Im Berliner „Bar Kochba" befinde sich ein ganz verschiedenartig*9 Material, soweit die turnerische Qualifikation in Frage komme. Da d'e aus den östlichen Ländern kommenden Juden weit schlechter als die au* Deutschland bezw. Oesterreich stammenden Juden turnten, müsse man sich darüber schlüssig werden, ob es nicht im Prinzip richtiger sei, die turnerisch minderwertigen Elemente für sich gesondert turnen zu lassen. Del. Herrmann will letzteres dem Ermessen der einzelnen Vereine überlassen wissen. Del. Dr. Blum vertritt den Standpunkt, daß das Spielen ins Freie gehöre und dies solle man gerade im Sommer berücksichtigen, während un Winter mehr Oeräteübungen ausgeführt werden müßten. Sodann empfiehl' er die Vornahme einfacher Freiübungen, die keine Gedankenarbeit verursachen, sondern eine mechanische Tätigkeit darstellen sollten. SchließliC" regt er an, weniger Beinübungen ausführen zu lassen, sondern mehr für die Betätigung der oberen Extremitäten Sorge zu tragen. Del. Meyer hält das Kürturnen am Schluß für verfehlt. Dieses müßte vielmehr für den Turnbeginn angesetzt, dagegen das Pflichtturnen bis zw» Schluß ausgedehnt werden. Es sei notwendig, das Spielen in der Halle zu pflegen, ebenso sei auch das Spielen im Freien sehr wertvoll. Del. Scholem meint, wenn beispielsweise Mitglieder eines jüdische» Turnvereins eine Schwimmriege gründen wollten, ließe sich dagegen men« einwenden, nur müßte man die Bedingung stellen, daß sie auch regeimäßig zum Turnen kämen. Dieses sei eine notwendige Ergänzung unserer Gesamtbestrebungen zur Hebung der Tüchtigkeit des jüdischen Stammes. Oerade durch das Turnen würden viele Eigenschaften, nämlich die turneriscne Kühnheit, das rasche Zugreifen, die Uebersicht usw. wachgerufen, Eigenschaften, deren Vorhandensein den Juden von gegnerischer Seite immer abgestritten werde.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.