Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 4 (4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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62 No. 4 mehrere Damen und Herren als Mitglieder an. — Am 27, März hielten wir unsere 1. Oeneralverasmmlung ab. Die Vorstands wähl ergab folgendes: 1. Vorsitzender Herr Rechtsanwalt Gronemann, 2. Vorsitzender Herr H. Marcus, 1. Turn wart Herr O. Dammann, 2. Turnwart Herr R. Altschuj, Schriftwart Herr Ingenieur Paul Härtel, Kassierer Herr B. Neumanri, Beisitzer Herr Reingenheim. Ingenieur Paul Härtel, Schriftwart Ung. H radisch. Der Jüdische Turnverein veranstaltete am 26. März 1905 im städtischen Redoutensaale ein Purim-Masken-Kostümkränzchen. Lemberg. Aus Lemberg erhielten wir von Herr stud. ing. Zinn ein ausführliches Schreiben über den in Lemberg vor längerer Zeit gegründeten Turnverein. Wir entnehmen dem für die galizischen Verhältnisse recht bezeichnenden Briefe einige interessante Mitteilungen, die wir jedoch an einigen Stellen dem Zwecke der Veröffentlichung entsprechend redaktionell geändert haben: „. . . . Noch im Jahre Ol lud Herr Dr. Waldmann mehrere Studenten zu einer Sitzung ein, auf der die Gründung des Vereins beschlossen wurde.. Seit diesem Augenblicke an beginnt die Märtyrergeschichte des Vereins, die ein krasser Beweis ist, wie wenig Verständnis die Juden Galiziens für die Leibesübungen haben. Turnen heißt bei ihnen „sich meschugge machen" und überhaupt ist es Sache „eines Schojgetz" (arischer Junge) als eines Juden. Die studierende Jugend teilt zwar diese Anschauung der Eltern nicht, zwar würdigt sie die Bedeutung der Leibesübungen, jedoch kann sie sich nicht entschließen, deren Folgen am eigenen Körper zu probieren. Der Aufruf, dem Vereine beizutreten, blieb ohne Erfolg. Wenn kein Turnlokal da ist, so behaupteten viele, so hat es keinen Sinn, dem Vereine beizutreten, woher die Mittel nehmjen zur Anschaffung der Turngeräte, das weiß der liebe Himmel. Zweimal wurde der Kultusvorstand vergebens angesucht, uns den Turnsaal im jüdischen Waisenhause zur Verfügung zu stellen. Einem im August 1903 gewählten Ausschusse gelang es, das Lokal einer von dem Kultusvorstand geleiteten Fröbelschule zu bekommen, wo ich die Leitung der Turnübungen übernahm. Es wurden Hanteln gekauft und ein zerlegbares Reck nach meiner Konstruktion errichtet. Ich war Schrift- und Kassenführer (einer leeren Kasse nota bene), Turnwarl und . . . Lampenanzünder, kurz ein Mädchen für alles. Endlich mußten wir das Lokal räumen, da die Herren vom Kultusvorstand wahrscheinlich zur Ueberzeugung kamen, daß die Unterstützung eines Vereins, der „separatistische" Tendenz im Schilde führt, ihrer Stellung bei den polnischen Schlachzizen gefährlich werden könnte. So blieben wir wieder, wie auf dem Wasser. Der städtische Schulrat und der jüdische Handwerkerverein „Jod-Choruzim" konnte sich natürlich nicht besser zeigen, und das eingereichte Oesuch wurde an beiden Stellen abgelehnt. Ich schrieb einen Aufsatz über den hiesigen Verein in der Monatscnrift „Moriah" (in deren Revue d. Presse von mir abgefaßte Auszüge aus der „Jüd. Turnzeitungr erscheinen) und veranlaßte die Einberufung einer Generalversammlung* die gestern stattfand. Es wurde beschlossen, während des Sommers nur Spiele im Freien, Ausflüge und dergl. zu veranstalten, das nötige OeW für den Winter zu sammeln und dem Verbände beizutreten. Delegierte zum Turntag können wir aus leicht verständlichen Gründen nicht entsenden. In der Versammlung wurde folgender Ausschuß gewählt: stua. mg. J. Zinn, Vorsitzender, stud. ing. Lustig, stellv. Vorsitzender, stud. jur. Horn, Schriftf., stud. jur. Roller, Kassenf., stud. jur. Ooldberg, Turnwart, Rudolf Kranz, stellv. Turnwart, stud. ing. Finkelstem und stud. ing- Nadel, Ersatzmitglieder. J. Zinn, stud. ing., Vorsitzender, Lemberg, Sonnengasse!«• Oderfurt Jüdischer Turnverein in Oderfurt Sonntag, den 26. Februar I. J., fand in den Lokalitäten zum „Kaiser von Oesterreich in Oderfurt die diesjährige Maskenredoute dieses Vereins statt, welch« sich eines ungemein starken Besuches zu erfreuen hatte. Es hatten sien