Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 2/3 (2.1905)
- Date
- 1905-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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20 No. 2/8 nügen, um uns allen die enorme Arbeitskraft und Liebe vor Augen zu führen, die er im Dienste unserer Idee hingegeben hat. Wir wollen ihm bei seinem Scheiden an dieser Stelle unsere volle Anerkennung und unseren herzlichsten Dank aussprechen für alle die unschätzbaren Verdienste, die er sich um die jüdische Turnbewegung erworben hat. Der Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft. Zur Psychologie des Mutes. Ein Beitrag zur Theorie des Turnens. Von Elias Auerbach. Eine Leine ist in 1 Meter Höhe ausgespannt, das Sprungbrett liegt 2 Meter vor ihr — also ein Sprung, den ein mittelguter Turner ohne sehr große Anstrengung leistet. Jetzt setze ich anstelle der Leine ein Pferd von derselben Höhe — und nur wenigen wird der Sprung gelingen, ohne daß sie verstohlen und flüchtig einen Fuß auf das Pferd setzen oder mit der Hand nachgreifen. Drittens: Ich ersetze das Pferd durch eine Reckstange in einem Meter Höhe — und kaum einer, selbst von denen, die den zweiten Sprung geleistet haben, wird wagen, sich in freiem Satz über das Reck zu schwingen. Woher diese eigentümliche Verschiedenheit? Objektiv ist in allen Fällen der Sprung derselbe, 2 Meter weit und einen Meter hoch. Nun, die Erklärung liegt auf der Hand. Es mischen sich hemmende Vorstellungen in den Willen zum zweiten und dritten Sprung, die beim ersten fehlen. Ihre Zahl bestimmt jedesmal den Grad der subjektiven Schwierigkeit. Im ersten Fall weißt Du, daß Dir nichts geschieht, wenn Du die Leine herunterreißt; sie tut nicht weh. — Beim Ansatz zum Sprunge über das Pferd schießen Dir blitzschnell allerhand Oedanken durch den Sinn: „Mißlingt der Sprung doch, dann kann das Pferd umstürzen, und ich darüber hin. Oder ich bleibe nur mit der Fußspitze hängen und schmettere vorn auf den Boden." — Vor dem Sprunge übers Reck hast Du, Du magst wollen oder nicht, einen Hauptgedanken: „O, mein Schienbein! Wenn ich nur ein wenig zu niedrig springe!" Und ein ganzes Heer von Bedenken folgt diesem ersten: „Beim Pferd kann ich zur Not noch oben stehen bleiben, das kann ich hier nicht." Oder Deine Schuhe haben Absätze, wenn auch nur ganz niedrige — und Du siehst schon ganz deutlich, wie sich das Reck an ihrer Vorderkante fängt und Dich festhält. Auch das war beim Pferd nicht so schlimm. Oder Dir fällt ein: „Wenn ich gar hinüberkomme, und der Sprung war knapp, dann falle ich mit dem Rücken aufs Reck zurück," und Du greifst Dir schon nach der empfindlichen Stelle. So kommt es zu Stande: Dir fehlt der Mut. Denn das heißt Mut: Unterdrückung hemmender Vorstellungen.