Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 10/11 (10.1904)
- Date
- 1904-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 10/11 199 hier in Berlin und mit den verschiedensten Tendenzen. Weil zu befürchten ist, dass in allgemeinen Unterstützungsvereinen die Joden zu kurz wegkommen, sieht man sich gezwungen, einen judischen Unterstützungsverein zu gründen. Weil eine unbefangene Geselligkeit im Verkehr zwischen Juden und Nichtjuden auf die Dauer kaum zu erwarten ist, werden jüdische Geselligkeitsvereine gegründet, und so fort. Dieses Motiv bestimmte uns nicht. Wir wollten uns* nicht nur deswegen eine eigene Hütte bauen, weil ringsum Tür und Tor uns verschlossen blieb. Anstatt an das fremde Tor zu klopfen, klopften wir vielmehr an das eigene Herz und errangen uns aus dem Selbstbewusstsein die Freiheit, die niemals ein Geschenk von anderen ist, und mit der Freiheit die Kraft zur folgebewussten Tat. Der nationale Gedanke war in uns erwacht, bisher ungekannte Kräfte in uns entfesselnd, und eine seiner ersten Schöpfungen war unser Verein. Also nicht um Juden ohne Störung das Turnen zu ermöglichen, wurde der Bar Kochba gegründet, sondern weil die nationale Idee in der Reihe der Aufgaben, die sie von uns forderte, auch und mit in erster Linie die Stahlung des Körpers in ernstem und edlem Spiele gebot. Uns sollte nicht der Preis des Gladiators gelten, sondern der Lorbeer von Olympia. So traten wir als Turner im eminentesten Sinne in den Dienst einer Idee, bewusst, dass dieselbe verkümmern müsse, wollten wir ihr in einseitiger Beschränkung nur als Turner dienen. Es galt und gilt vielmehr, auf dass die Idee nicht leide, sie in ihrer Weite zu erfassen und sich selbst zum Spiegel ihrer hundertfältigen Sfrahlungen und Wirkungen zu machen. Das erst heisst, national sein, und also national zu sein ist die Vorbedingung der Zugehörigkeit zu unserem Verein. Gewiss haben wir kein Mittel, um jeden beim Eintritt oder später auf Herz und Nieren zu prüfen; aber der Verein als ganzer hat die Probe zu bestehen und er hat sie bestanden in dem in seiner Geschichte denkwürdigsten Augenblicke, als unsere Turner in Basel Zeugnis ablegten für unsere Idee vor den Augen des Mannes, in welchem wir die Inkarnation des lebendigen jüdischen Volkstums in der ganzen Fülle und Tiefe seiner Erscheinungen erblickten. Ja, das war uns Herzl. — Und wie steht es heute? Ist der Zauber gewichen, der von ihm her über uns kam und uns mit starken Armen an sich riss? Soll die grosse Zeit ein kleines Geschlecht gefunden haben? Gewiss nicht! Die Stunde drängt zur Tat. und wir fühlen uns stark. Wir sammeln die Kraft, und über den Schatten des Todes hinweg grüsseu wir das Leben!" Berlin. Jüdischer Turnverein „Bar Kochba". In letzter Zeit schieden eine grössere Anzahl vonVurstandsmitgliedernaus dem Vorstande aus. In erster Reihe ist unser II. Vorsitzender, Herr Referendar Julius Heilbrunn zu erwähnen, der nach Templin verzog. Herr Alfred Lob atz. der bisherige Geschäftsführer der Turnzeitung, hat seinen Wohnsitz »ach Karlsruhe verlegt. Ferner sind Herr Sally Heilbrunn nach Leipzig. Herr Arthur Sussmann nach Paris und Herr Max Bendel nach New- York gegangen. Frl. Frida Conrad hat ihr Amt als Beisitzerin im Hauptvorstand und Frl. Frida Cohn das Amt als Geschäftsführern! der Mädchen-Abteilung niedergelegt. Ihnen allen sei an dieser Stelle für ihre eifrige Tätigkeit im Dienste des Vereins unser lebhafter Dank gesagt. Vom Vorstande sind die Heiren Dr. Arthur Biram, Oranienburgerstr. 9:.' •>ls II. Vorsitzender und Dr. Hans Mühsam. Katzlcrstr. 1 als Beisitzer kooptiert worden. Frl. Margarethe Jacob ist provisorisch mit der Geschäftsführung in der Mädchen - Abteilung betraut und Herr Richard Sommerfeld als Mitglied des Vergnügung«-Komitees gewählt worden. AufeinGesurhunseresVorstandshatderVorstandder Berliner jüdischen gemeinde beschlossen, eine bessere Beleuchtung der Turnhalle der jüdischen Volkschule, Gr. Hamburgerstr. 27. einzuführen. Damit ist ein längst gehegter Wunsch unserer Mitglieder in Erfüllung gegangen, und wir sprechen der jüdischen Gemeinde für Ihr freundliches Entgegenkommen unseren wärmsten Dank aus.