Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 10/11 (10.1904)
- Date
- 1904-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10/11 m darstellen. So zeigt überall die politisch rechtlose, verfolgte, vom Granderwerb rechtlich ausgeschlossene Bevölkerungsschicht die Eigenheiten des höchst raffinierten, gefährlich schlauen, skrupellosen und feigen Händlers; — so ist d«r Paria, wo immer er erscheint, der stumpfe, schmutzige, tückische, hinterlistige Bursche. Nun, von dem Augenblick an, wo die deutsche Bourgeoisie in die faktische Lage einer Adelsgruppe aufsteigt und die Privilegien dieser Gruppe gegen die Angriffe der Unterworfenen ebenso zu verteidigen hat, wie eine Generation zuvor der historische Adel gegen ihre eigenes Angriffe: von diesem Augenblick an wachsen ihr naturgemass auch die adligen Sympathien und Antipathien: sie wurde kühn, waghalsig, hochmütig, bigott und bildungsfeindlich. Man braucht nur den vorgeschrittensten Typ unseres Industrieadels, die rheinisch-westfälische Schlotbaronie, zu studieren, und man wird finden, dass diese Charakteristik den Nagel auf den Kopf trifft Ihre Söhne stellen heut das Hauptkontingent zu den echten JunkerkliTbs der Gegenwart, den Corps; hier ist Waghalsigkeit und Rauflust in immer höherem Aufschwünge begriffen, so dass die früher äusserst seltenen Duelle auf schwere Waffen immer häufiger werden. Nun hat schon der historische Adel die reichliche Zeit, die ihm der Rentenbezug und sogar in vielen Fällen die Mühe der Arbeitsleitung und der Kirchenbesuch übrig Hess, eine Zeit, die ihm aus den angeführten Gründen für künstlerische und wissenschaftliche Beschäftigung zu verwenden nicht wohl einfallen konnte, — nun hat schon der historische Adel seine Zeit von jeher für sportliche Betätigung eingesetzt und einsetzen müssen, um mit der Kraft und Gewandtheit des Körpers den physischen Mut zu konservieren, ohne den seine Stellung unhaltbar gewesen wäre. Es konnte nicht ausbleiben, dass der neue Bourgeoisie - Adel ihm auf . diesem Wege folgte, und dass sich damit der Sport mit der grossen Geschwindigkeit, die wir staunend bewundert haben, neue grosse Volksschichten mit einem Schlage erobern konnte. Das hat der Bewegung zweifellos -einen grossen Teil der persönlichen Kräfte und ökonomischen Mittel zugeführt, ohne die ihre Entwicklung viel langsamer verlaufen wäre; aber es hat ihr — und damit nehmen wir den Faden unserer Erörterung wieder auf — zu gleicher Zeit jene hässlichen feudalistischen Beimengungen der Spielwut und der Büdungsfeindschaft zugeführt. - Wäre nun die sportliche Bewegung und das Interesse am Sport auf alten und neuen Adel beschrankt, so würde man annehmen müssen, dass diese feudalistischen Beimengungen zum Wesen der Bewegung notwendig gehören; e» handelt sich aber augenscheinlich um mehr. Das In-