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Jüdische Turnzeitung · 1904-10-01 · 10/11 (10.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
10/11 (10.1904)
Date
1904-10-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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170 No. 10/tl Darin bin ich mit Herrn Dr. Werner einig, dass es das Hauptverdienst der „Jüdischen Turnerschaft" ist, da zu sein, wenn ich auch allerdings mit diesem Resultat nicht zufrieden bin. Nicht als ob die Turnerschaft nicht mehr geleistet hätte, als „in die mit Recht so beliebte Erscheinung zu treten", im Gegenteil, der Ausschuss der Turnerschaft, und das heisst in diesem Falle die in Berlin wohnenden Ausschussmitglieder, haben eine Menge Kleinarbeit vollbracht und das zum Teil unter den schwierigsten Umständen. Aber auch Herr Dr. Werner scheint der Ansicht zu sein, dass diese Kleinarbeit nicht genügt, um das Bestehen einer „Jüdischen Turnerschaft" zu rechtfertigen und dass sie nicht dem vorhandenen Bedürfnis entspricht. Und auch darum begrüsse ich den Artikel und die Möglichkeit der Aussprache, weil damit die Gelegenheit geschaffen ist, das nachzuholen, was man damals in Basel in dem stürmischen Uebermut, der das unschätzbare Vorrecht unserer Jugend ist, versäumt hat: sich einfehend zu orientieren über die Erwartungen, die die jüdischen urner an die Turnerschaft knüpfen und über den Weg, den sie wollen, dass sie zu gehen hat, über die Marschrichtung sowohl als über die Ruhepunkte. Wenn es der Zweck der jüdischen Turnvereine ist, die Juden zum Turnen zu gewöhnen und ihnen mit der Körperstärke die Judenstärke zurückzubringen, so ergibt sich daraus von selbst, dass es die Aufgabe der „Jüdischen Turnerschaft" sein muss, das Turnen nicht nur zu unterstützen, sondern auch zu verbreiten. In diesem Sinne lautet auch der $ '2 der Satzung der Turnerschaft: Die Jüdische Turnerschaft bezweckt die Pflege des Turnens als Mittel zur körperlichen Hebung des jüdischen Stammes u. s. w. Es gilt eben, nicht nur uns, sondern die Juden, das jüdische Volk zu stärken, zu selbständigen Juden, zu einem starken, selbstständigen Volk zu machen. Darum muss für lange Jahre das die Hauptarbeit der jüdischen Turnerschaft bilden: die jüdische Masse für unsere Sache zu gewinnen. Unsere Arbeit bedeutet nichts, solange wir nicht das jüdische Volk für uns haben. Wie schwierig es ist. für die jüdische Turnbewegung, für die jüdisch-nationale Sache überhaupt, zu agitieren, wissen wir alle, der Einzelne und der einzelne Verein ist da fast machtlos. Gerade in Deutschland fällt es dem Juden ungeheuer schwer, seine Ansicht zu der unsrigen zu revidieren. Das bedeutet für ihn in den meisten Fällen ebenso den vollkommenen Bruch mit all seinen Ueberlieferungen, wie für uns etwa das Verlangen, uns taufen zu lassen. Es genügt daher nicht, dass man die Assimilation als unwürdig und unheilvoll bezeichnet, wir müssen uns vor Augen halten, dass auch sie eine Lebens- und oft eine Weltanschauung darstellt, dk'

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