Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 8 (8.1904)
- Date
- 1904-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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130 No.8 Repräsentanten in deutschen Städten den jüdischen Turnern feindliche Resolutionen gefasst. Der Beschluss des hannoverschen Repräsentanten - Kollegs steht einzig da und ist völlig unzureichend begründet. Die jüdischen Repräsentanten in Hannover haben den Streit mit dem jüdischen Turnverein vom Zaun gebrochen. Diese Feststellungen mussten der Redaktion des Hamburger Blattes wohl recht unbequem gewesen sein, denn sie versagte der offiziellen Zuschrift die Aufnahme, indem sie kurzweg die Debatte Ober den Turnstreit für geschlossen erklärte — dieselbe Redaktion, die erst wenige Tage vorher „diesen Gegenstand zur Diskussion gestellt" und ausdrücklich zugesichert hatte, dass sie „selbstverständlich" auch den Freunden der jüdischen Turnsache Raum gewähre! Das illoyale und wortbrüchige Verhalten der Redaktion des „Israelitischen Familienblatts" richtet sich von selbst. — Jetzt sandte der Schriftführer der „Jüdischen Turnerschaft" eine Schilderung der Genesis und Weiterentwickelung der hannoverschen Turnfehde an den „Generalanzeiger f. d. gesamt. Interess. d. Judentums," der sie am 15. 8. 04 brachte. Aber der Kampf ist damit nicht beendet. Noch haben die Repräsentanten ihren Beschluss nicht rückgängig gemacht und noch immer ist ernstlich zu befürchten, dassprivate „jüdische" Kreise wiederum eine heftige Agitation entfachen werden, lediglich in der Absicht, den jüdischen Turnverein zu sprengen, dessen Existenz sie geniert! Wir wenden uns daher an die jüdische Presse und damit an die jüdische Öffentlichkeit und erbitten den moralischen Beistand aller derjenigen, die sich jüdisches Empfinden bewahrt haben. Wohin soll es führen, wenn, wie es in Hannover geschehen ist, ein jüdischer Repräsentant die Gründung eines jüdischen Turnvereins ungerügt für eine „Kühnheit, Dreistigkeit, Unerhörtheit, ja für einen Skandal" erklären darf?! Wohin soll es führen, wenn ein jüdisches Repräsentanten-Kolleg, also eine offizielle jüdische Körperschaft, daran Anstoss nimmt und es missbilligt, dass jüdische junge Leute sich zu einem jüdischen Turnverein zusammenschliessen?! Müsste nicht — gerade in unseren Tagen — jeder echte Jude es mit aufrichtiger Freude begrüssen, dass unsere Jugend sich ihrer jüdischen Abstammung erinnert, den tausendfach geschmähten und geschändeten jüdischen Namen in Ehren hält und ihn frei und offen bekennt? Noch gibt es stolze und aufrichtige Juden, die ihre Zugehörigkeit zum jüdischen